Übersteiger Nr. 101

Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Titten!

1%, 2%, DREI Prozent!... oder: Seid ihr alle Da? - JHV

"Fußball ist immer noch wichtig!" - 2009-Poll-Gewinner-Matthias-seine-Seiten

Klein-Hoffenheim vom Nordseestrand

"Störtebeker, du warst der beste Mann aller Zeit"



1%, 2%, DREI Prozent!
... oder: Seid ihr alle Da?

Die Jahreshauptversammlung(en) 2010 des FC St. Pauli von 1910 e.V.

   Am 14./15. November fand mal wieder die Jahreshauptversammlung im CCH statt. Was bleibt und was kommt auf den FC zu? Einer der gefühlt mitgliedstärksten Vereine Deutschlands? Wenig Mitgliederinteresse am höchsten Gremium! Keine Ehrenpräsidentschaft für Irgendwen! A bisserl Getöse und Geföne, ein neuer Chef! Reden, Reden, Reden! Neue konsoldierte Jahresabschlüsse! Gewachsene Fallhöhen! Wiedergewählte Aufsichtsräte, eine größere Gegengradentribüne und viel Applaus! Ein kleiner Happen Vereinsmeierei und verschrobene Satzungsauslegungen, Wirrwarr um Anträge und ein nicht immer ganz so souverän auftretender Versammlungsleiter.

Der Präsident ist Tod –
Es lebe der Präsident

    Also dann, wie kaum anders zu Erwarten war ist also nun Stefan Orth zum Präsidenten gewählt worden. Kein Wunder, war er auch als einziger Kandidat in die Bütt gestiegen. 524 Wahlberechtigte verteilten sich auf 431 Jastimmen, 53 Enthaltungen einen ungültigen Wahlzettel und 39 Neinstimmen. Seine Antrittsrede las er brav vom Blatt ab, nannte dabei im Wesentlichen drei wichtige Ziele für die kommende Amtsperiode. Zum Ersten will er weiterhin den FC unter den Top 25 im Profifußball etablieren. Zweitens soll weiterhin kräftig in die Infrastruktur wie Stadionneubauten und Kollaustraße investiert werden und drittens will er den FC zu einem der mitgliedstärksten Vereine Deutschlands machen. Da hatte er zum ersten Mal meinen Lacher auf seiner Seite. Was die AFM in jahrelanger Kleinarbeit in der Mitgliederwerbung leistet ist enorm schaut man sich die tatsächlichen Zahlen an ein langer harter Weg. Herr Orth kommt und platziert uns also in den nächsten Jahren im Bereich zwischen 50-80 tsd. Mitglieder, das mutet schon nach ein wenig Copperfield an. Abwarten Chef! Fazit: Rhetorisch konnte er nicht wirklich überzeugen, auch beim Vorlesen verhaspelte er sich, sein kompletter Auftritt wirkte leicht fahrig und ungelenk. Kann ja noch besser werden beim nächsten Mal. Außerdem ja auch mal eine schöne Abwechselung wenn das nicht alles so aalglatt über die Bühne geht.

Neue Hütte vs. Altes Stadion 2:2

    Orth zum Thema Stadionbau und Gegengraden: Man sei im bisherigen Kostenplan geblieben, also alles Paletti. Bisher hat die Haupttribüne mit Kindergarten 22,2 Mio. Euro gekostet und war somit nur 80tsd teurer als geplant. Darauf könne der Verein schon stolz sein. In Summa sind wir dann inklusive Südtribüne bei ca. 39.000.000,- Euro! NEUNUNDDREISSIG Millionen über Bürgschaften und Kreditfinanzierung für ein halbfertiges Stadion. Mal ganz ehrlich, da können wir alle nur hoffen, dass sich da niemand bei der Schuldentilgung verrechnet hat, und wir lange in der Ersten Liga bleiben, sonst kann das noch spannend werden. Frühester Termin für den Neubau der GG sei dann die Sommerpause 2012. Hier sei ein Kapazität von 12.600 Zuschauern geplant, die sich auf 11.000 Steh und 1600 Sitzplätze verteilen. Orths definiter Ausschluss von Logen- und Businessplätzebau führte daraufhin zum Applaus im Volke. Generell prüft das Präsidium eine Kapazitätserweiterung auf ein 30.000 Menschen fassendes Stadion! Ob das nun größenwahnsinnig oder weitsichtig ist möge jeder für sich entscheiden. Mir blieben dann die Worte vom Ex-Präsidenten in seiner später gehaltenen Rede sinngemäß im Ohr: „Der Weiterbau, dessen Finanzierung hängt von einer weiteren Bürgschaft aus dem Rathause der Stadt ab!“ Also denkt Fan sich: das wird noch mal ein spannendes politisches Thema. Denn eins sollte klar sein, die Stadt ist notorisch Klamm, ob es also wirklich weitergeht, abwarten wie lange die heiß geliebte schwarz grüne Regierung noch hält. Wenn die Bagger auf die Gegengrade kommen ist da mal wieder vorerst nur ein Loch. Mehr nicht!

Viele Vizes – Ein gutes Team

    Der Redebeitrag von Bernd Georg Spies kam da schon wesentlich souveräner daher. Er hielt eine freie Rede der man gut strukturiert folgen konnte. Dabei ging es um Danksagungen an alle die ehrenamtlich und mit viel Engagement zum gelungenen Jubiläum des Vereins beigetragen haben. Weitere Punkte seines Vortrags: Der Ausbau des Trainingszentrums Kollaustraße, auch hier sollen noch mal 2-3 Mio. investiert werden. Das Lob der Studie von Gregor Backes zum FC St. Pauli in der Nazizeit und der Bau weiterer Sportstätten im Viertel rundeten seine Rede ab. Gernot Stenger hatte nun das kurze Wort. Er stand ein für weiterhin verbesserte Kommunikations- und Entscheidungswege und bekannte sich nochmals zu den Ergebnissen des Fankongresses (LEITLINIEN!), den es weiter zuführen gelte. Dankend lobte er zunächst das Engagement von Marcus Schulz, um sich und den Anwesenden daraufhin einen Bärendienst zu erweisen: Man könne sich beim Ex Präsidenten am besten Bedanken, wenn man ihn aufs Podium bittet, um selber eine Dankesrede auf sich zu halten. Gesagt getan, Corny schwang sich auf, um eine fast 45 minütiges Bewerbungsgespräch für seine Ehrenpräsidentschaft zu halten. Er redete somit mal wieder von allen am Längsten. Weitere Details zum Thema Littmann kann man auch im Übersteiger Blog nachlesen. Ein weiterer Aspekt sei noch hinzugefügt: Unabhängig von allem, ein Präsident, der sich über Jahre Rechte an Stadionbewirtung sichert, als alleiniger Geschäftsführer der FC St. Pauli Service GmbH ein leitendes Amt bekleidet, dafür sicherlich gut und großzügig entlohnt wird, der darf sich nicht noch selbst oder durch andere Vorgeschlagen vom Ex- zum Ehrenpräsident machen. Das geht einfach moralisch nicht. Ehrenamt und Aufwandsentschädigungen sind okay, alles was darüber hinausgeht muss immer einen faden bis schalen Beigeschmack behalten.

Stimmt die Kasse? – Ja, aber welche?

    Interessant dazu ebenfalls der Bericht der Kassenprüfer, die im Großen und Ganzen sehr zufrieden sind und kaum über Mängel berichten konnten. Spannend für die Mitglieder eigentlich nur der Punkt der konsoldierten Bilanz des Vereins. Hier wird gefordert in Zukunft alle dem Verein verbundenen 7 Tochtergesellschaften mit in eine gemeinsamen Gewinn und Verlustrechnung und einer Bilanz zum einheitlichen Stichtag zu berücksichtigen. Das dürfte dann mal spannend werden, wo welche Gelder und Verbindlichkeiten wie geparkt und verrechnet sind. Erstaunlich am bilanzierten Zahlenwerk die Verbindlichkeiten des Vereins in Höhe von fast 5 Mio. Euro !!! Wer haftet da eigentlich für wen falls da mal bei einer der sieben Töchter die Aussteuer fällig wird? Ein herrlicher Titel hierzu steht kleingedruckt unter der G/V: „Haftung aus der Bestellung von Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen Euro 20.473.391,10“ Was auch immer das heißen mag, bestimmt nichts gutes, wenn es eng wird 20 Mio. sind kein Pappenstil.

Unsere Satzung und Anträge – beste Vereins(m)eierei

    Weiterhin unglücklich verlief dann die Wahl der Vizepräsidenten per Akklamation. Die Satzung sieht komischer Weise vor, dass mindestens 10 Personen nötig sind um in geheimer Wahl abzustimmen. Hier kamen immerhin 8 Stimmen dazu aus dem Saale zusammen. Wie auch immer Demokratie und Wahlgeheimnisse ausgelegt werden: Neu dabei sind nun also Jens Duve und Tjark Woydt die als Vizepräsidenten das Team erweitern.

   In diesem Punkt war der Herr Versammlungsleiter nicht auf Ballhöhe, was ihm öfter passierte. So verwundete später auch nicht wirklich, dass ein Satzungsänderungsantrag von Geschäftsführer Meeske die Zustimmung verweigert wurde. Er stellte diesen im Auftrag des Präsidiums, Kurz gesagt ging es um Folgendes. Wer darf im Namen des Vereins gegenüber Dritten als „besonderer Vertreter“ Rechtsgeschäfte abschließen. Nach skurriler Diskussion stellte sich heraus, das zum einen eine Menge handwerklicher Fehler in den relevanten Änderungspunkten gemacht worden und zum anderen das Präsidium diesen Antrag hätte wohl am besten selber stellen sollen. Warum das Präsidium nicht in die Bresche sprang eröffnete sich nicht. Das der daraufhin von Spies geforderte Vertrauensvorschuss durch uns Saalkapeiken verweigert wurde nur logisch. Hier haben viele Mitglieder wohl schon zu viele Erfahrungen gemacht. Meist schlechte! Selbes Schicksal ereilten dann eben auch die Anträge zur Ehrenpräsidentschaft und zur Umwandlung einiger Businessreihen auf der HT in die ehemaligen Blöcke U8 & U9. Als ein Gesamtfazit kann man sagen, wenn sich auf der JHV mehr zu Redebeiträgen durchringen könnten und mehr kritische Fragen zu Einzelpunkten kommen würden, könnte die ein oder andere Fraktion da kräftig Reingrätschen, ordentlich für Wirbel sorgen und das operative Geschäft beeinflussen oder blockieren. Prinzipiell benötigt man nicht mehr als 250 Personen einer wie auch immer gearteten Gesinnung, um da mal ordentlich Staub aufzuwirbeln. Einzige Hindernisse: mangelnde Beteiligung und die konsequente Vorbereitung der Anträge und Wortbeiträge!

Der Höhepunkt 2010 – die Ehrungen

    Um die Zeit der Auszählung der Aufsichtratswahl sinnvoll zu nutzen wurden dann vom jederzeit souverän argumentierenden Manfred Heinzinger und Neupräsident Stefan Orth die Ehrungen für sportliche und ehrenamtliche besondere Leistungen vorgenommen.

   Dabei sind alle für ehrenamtliches Engagement mit den verschiedensten Ehrungsutensilien des FC St. Pauli ausgestattet worden: Benny Adrion, „Bodo“ Bodeit, Marcus Schulz, Uwe Doll, Wolf Schmidt, Martin Stoll-Hafkus, Sven Gronau, Charlotte und Dietmar Rittmeyer. Neustes und jüngstes Ehrenmitglied wurde Ingeburg Schnell, was dann wiederholt zu stehenden Ovationen führte. Ehre wem Ehre für so viele Jahrzehnte bedingungslosen Einsatz gebührt! Von all den Geehrten hörte man niemals irgendwelche öffentlichen Forderungen nach Anerkennung ihrer Leistungen! Das größte Ding aber sollte noch kommen: Zwei Herren die nun ausgestattet mit Brillianten besetzten goldenen Vereinsemblem ausgezeichnet worden. Gunter Peine und „Kuddl“ Kunert, beide als zehnjährige Steppkes in den Club eingetreten, da es vorher leider nicht erlaubt war. Nunmehr blicken beide als 90 Jährige auf jeweils 80 jährige Mitgliedschaft zurück. Das kann man sich als kleiner Quiddje mal so einfach gar nicht vorstellen! Da bekommt das Wort vom Traditionsverein einen Sinn! ER ist im Gegensatz zu einigen Feigenblättervereinen ein wirklicher! Allen geehrten Herzlichen Glückwunsch der Übersteiger Redaktion!

Die AR-Wahl

    Das Ergebnis der Aufsichtratswahl war dann eigentlich Formsache: 422 stimmberechtigte Mitglieder verteilten ihre Stimmen wie folgt: Roger Hasenbein 267, Michael Burmester 254, Lars Sörensen 211, Uwe Doll 177, Christoph Kröger 172, Marcus Schulz 166, Tay Eich 154, Christoph Lucks 75, Jens Kauerauf & Alexander Müller Elsner 64, Georg Möller 33, Jens Feldhusen 13 und Frank Belchhaus 12. Somit bleibt fast alles beim Alten, außer das ein ehemaliges Präsidiumsmitglied nun die Seiten gewechselt hat. So waren einige Bewerbungsredebeiträge doch für den ein und anderen Schmunzler gut, es darf auch mal gelacht werden nach 2 Tagen Sitzungsmarathon: Zuordnen könnt ihr selber: „Liebe!“, „Das war keine Frage?“, „Nur nicht die Werte verkaufen!“, „Stadionordnung - nicht zur Klosterordnung verkommen lassen“, „Dauerkarte seit...“, „ein kommerzfreies Stadion“, „ich fahre schon lange Auswärts“, „Selbst der Übersteiger wollte die 11Freunde übernehmen!“, „Im seeligen Andenken an des SED Komitee!“ „halte es mit Grönemeyer – Alles bleibt anders!“, „habe 2 Töchter, die eine ist 14, die andere ist fußballbegeistert“, „Gegengrade – stehe in Block 3!“, „Was kostet der Spaß? - Ein Bruchteil von 50.000!“, „Mal Nein sagen müssen!“, „Das waren 5 Minuten 33!“, „Kampfabstimmung fordert Risse“, „Rache, wenn dann sofort!“

   Also auf Mal Wiedersehen im nächsten Jahr! Und es wäre so schön mal wieder mehr als tausend Mitglieder zu sehen, sonst könnte der Verein auf das extrem teure CCH verzichten! Da müssen alle die dabei waren nur mal versuchen 2 bis 3 befreundete Mitglieder mit zu schleppen, dann hätten wir schon viel gewonnen! Das wären dann eine Steigerung von 1% auf 3% der gefühlt neuen Mitgliederzahl von 50.000! Wie viel Prozentualer Zuwachs wäre das dann? Und falls dann wirklich alle kommen, müssten wir nicht immer die langen Berichte von Norbert über 32 Din A4 Seiten Druckversion (nur Teil 1) durchackern! Denn länger als so ein Studium dauert selbst ein zweitägiger JHV Marathon nicht. Oder besser noch: Mal wieder Angeln gehen! Auf eine neue Wahlperiode und viele neue Anträge.

// JE
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