Übersteiger Nr. 104

Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Anwalts Schowbar

Dreieck oder Welle? / Zwei Entwürfe für die neue Heimat Gegengerade

Warum bist du bei St.Pauli?

4 Gewinnt

Neues von den Alten

FC Twente Enschede vs. Ajax Amsterdam, KNVB Beker Finale 2011 HeLemaats niets in Amsterdam!



Warum bist du bei St.Pauli

Der Aktionstag „Warum bist du bei Sankt Pauli?“ sollte eine Reflektion des Verhaltens auf den Rängen sein. Mit viel Engagement wurde versucht, jeden Fan darüber nachdenken zu lassen, was ihn oder sie alle vierzehn Tage ins Stadion treibt. Geblieben ist von dem Tag nicht viel, soll man ihn trotzdem ode deswegen wiederbeleben?

Vor fast genau einem halben Jahr haben organisierte und unorganisierte Fans, der Verein sowie der Fanladen einen Aktionstag unter dem Titel „Warum bist du bei Sankt. Pauli?“ gestartet. Die Planungen liefen fast ein ganzes Jahr, es gab viele Gespräche, Kompromisse, Vorschläge, verworfene Vorschläge usw...

Warum war so ein Tag nötig geworden? Mit dem Aufstieg in die erste Fußballbundesliga hatten viele Fans das Gefühl, dass sich das Verhalten auf den Rängen verändert hatte: Es wurde hart an der Grenze des guten Geschmacks und der Stadionordnung gepöbelt, einige schienen zu versuchen, mit dem Aufstieg in einer höhere Spielklassr auch den persönlichen Promillerekord ebenfalls in eine höhere Liga zu hieven, Frauen fühlten sich oftmals bedrängt und genötigt. Kurzum: Das familiäre, die entspannte Atmosphäre drohte im kollektiven Feierwahn nach Aufstieg und Vereinsjubiläum unterzugehen.

Was tun?

Anstatt, dass einzelne aus einer persönlichen Frage („Warum gehe ich hier eigentlich noch hin?“) eine persönliche Konsequenz zogen und fernblieben, wurde die Idee entwickelt, auch den Rest des Stadions zu fragen, warum er oder sie hier eigentlich herkomme. Familie kann man sich bekanntlich ja nicht aussuchen. Also: Warum bist DU eigentlich bei Sankt Pauli? Die Antworten sind vielschichtig ausgefallen, manchmal lang und romantisch, manchmal kurz und abgeklärt.

Herausgekommen ist letztendlich ein Aktionstag, an dem fleißig Flyer verteilt wurden, es gab Durchsagen vom Stadionsprecher und auf der Internetseite http://www.warum-bist-du-bei-sankt-pauli.de/ konnten Menschen ihre Beweggründe darlegen, was ihnen am Verein wichtig ist.

Leider, das muss man in dieser Deutlichkeit sagen, hat der Aktionstag nicht so durchgeschlagen, wie wir uns das vorgestellt haben. Der Vorbereitungskreis wurde zum Schluss immer kleiner, die Homepage ist bis heute nicht einmal von 5000 Personen frequentiert worden und die in großer Auflage gedruckten Flyer liegen wie Blei in den Regalen. Eine „Mitschuld“ trägt sicherlich der Protest um den „Jolly Rouge“, der kurze Zeit vorher stattfand. Manche waren gar der Meinung, der gemeinsam mit dem Verein gestaltet Aktionstag sei eine Art Konzession an den Verein, ein Akt der Versöhnung – dass dieser Tag schon viel länger im Raum stand, wurde, vielleicht auch wegen schlechter Kommunikation, von vielen nicht bemerkt. Abgesehen davon, dass in vielen Fragen ein entspanntes und kooperatives Verhältnis herrschte, jedenfalls im Gegensatz zu anderen Diskussionen.

Ist alles gesagt?

Am 17.8. fand nun eine kleine Reunion im Fanladen statt, an der neben einem Fanladenvertreter auch wieder Fans und Vereinsangestellte teilnahmen. Die zentrale Frage lautet: Soll der Aktionstag wiederholt oder gar zu einer „Serie“ ausgebaut werden? Denn die Probleme, die einige damals ausmachten, sind bis heute im Wesentlichen nicht verschwunden. Ebenso, wie beim „bring back Sankt Pauli“ eine ständige Beobachtung nötig ist, um den Verein von Fanseite (wenigstens ein bißchen) mitlenken zu können, darf meiner Meinung nach die Reflexion auf den Rängen nicht vernachlässigt werden. Was nützt es, wenn man auf der einen Seite den Verein vor sich hertreibt, etwas erreichen möchte, dafür auch kämpft, und sich auf der anderen Seite das Fundament, die Basis, die man bei Auseinandersetzungen „mit denen da oben“ gerne ins Feld führt, immer weiter entfernt von dem, was mal die Seele des Vereins ausmachte?

Fühlt euch eingeladen, zusammen mit dem Fanladen und dem Verein in einen Dialog, der natürlich auch eine Auseinandersetzung sein kann, einzutreten, um das Millerntor wieder für alle erträglich zu machen. Gibt es „gemeinsame Werte“? Wofür stehst du und dein Umfeld ein? Ist Fußball doch das wichtigste Leben? Oder das Fansein? Viele Fragen, die es zu diskutieren gilt. Achtet auf Ankündigungen für das nächste Treffen.

// Zwille
< nach oben >