Übersteiger Nr. 104

Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Anwalts Schowbar

Dreieck oder Welle? / Zwei Entwürfe für die neue Heimat Gegengerade

Warum bist du bei St.Pauli?

4 Gewinnt

Neues von den Alten

FC Twente Enschede vs. Ajax Amsterdam, KNVB Beker Finale 2011 HeLemaats niets in Amsterdam!



4 Gewinnt

Erstmals seit der Einführung durch den Hamburger Fußball-Verband wird eine Untere Herrenmannschaft des FC St.Pauli Staffelmeister in der höchsten Leistungsklasse. Die Redaktion des Übersteigers ist natürlich stolz wie Bolle (Anm. d. Layouters: Ähem... es wurde das Mindestleistungsziel erreicht!) und gratuliert seinen 4.Herren ganz nebenbei auch noch zum 25-jährigen Jubiläum! Der Rückblick auf den Schlussspurt einer geschichtsträchtigen Saison...

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe und verbreitete sich schnell: fussball.de verkündete am Freitag, dem 20.Mai um die Mittagszeit herum als erstes, dass die 3.Herren des ETV nicht zum, mit Hochspannung erwarteten, letzten Saisonspiel bei „St.Pauli 4“ antreten werden. Auf mehrfache Nachfrage bestätigte der Eimsbütteler Trainer dann um Punkt 16:13 Uhr in deren öffentlich zugänglichen Forum das vermeintliche Gerücht. Weil von seinem Kader, aufgrund von etlichen Verletzungen, am letzten Spieltag nur jämmerliche 7 gesunde Spieler übrig geblieben waren, hatte man sich entschieden, besser gar nicht erst anzutreten und St.Pauli kampflos die letzten 3 Saisonpunkte zu überlassen. Der eine Punkt Vorsprung reichte somit bekanntlich aus, um die aller erste Meisterschaft überhaupt perfekt zu machen. Und das genau ein Vierteljahrhundert nach der Gründung im Jahre 1986! Der Masterplan ging also wie erhofft auf, allerdings hielt sich der Jubel verständlicherweise erst einmal in Grenzen. Zu lange hatten alle Spieler auf diesen Showdown hin gefiebert und manch einer wäre sogar bereit gewesen, die Hochzeit eines Bandkollegen und einiges mehr dafür sausen zu lassen. Aber wann wird man auch schon mal Meister mit diesem Club?

Verdienter Titelgewinn

Nach dem 3.Spieltag stand die vom ÜS, von Ballkult und dem Achimer Schlitten-Hersteller Rodel Rudi gesponserte Mannschaft erstmals an der Tabellenspitze, die sie bis zum Schluss auch nicht mehr her gab. Über die gesamte Saison wurden nur 5 Spiele nicht gewonnen, wobei 3 Partien davon Remis endeten. Vizemeister TuS Berne 3 kassierte gleich am 2.Spieltag an der Feldstraße eine 4:0-Klatsche, während man beim Rückspiel im Osten Hamburgs vom „Unparteiischen“, der seltsamerweise auch Schiri-Obmann der Gastgeber war, schlichtweg um den Sieg beschissen wurde. Nachzulesen übrigens immer noch im ÜS-Blog unter dem Schlagwort „4.Herren“ und „Vier Elfmeter...“. Zudem stellte man die stärkste Abwehr und mit nur einem Punktverlust (1:1 gegen Uetersen) auch das beste Heimteam. Weitere Fakten sparen wir uns. Dieser Titel ist rundum verdient, auch wenn das letzte Spiel nun halt nicht ausgetragen wurde. Und nicht mal in Berne wurde lange gemosert, ganz im Gegenteil. Sportlich fair wie eh und je kamen von dort die allerersten Glückwünsche.

Dass dann 2 Wochen später das Finale um die sog. Hamburger Meisterschaft - ausgerechnet mal vor fast 200 Zuschauern - mit 2:4 (0:2) gegen die, wie immer in entscheidenden Spielen, gepimpte 3.Herren vom Glashütter SV verdient verloren ging und dabei die vielleicht schlechteste Vorstellung der vergangenen Jahre abgeliefert wurde, ist eigentlich schon fast tragisch. Denn so blieb dem sympathischen Team und seinem spanischen Trainer, trotz der grandiosen Spielzeit 2011/12, dieser eine, ganz große Moment beim Schlusspfiff komplett verwehrt. Aber zumindest für die beiden dienstältesten Spieler der Mannschaft gab es in der Halbzeitpause des Aachen-Heimspiels noch einen richtigen Höhepunkt. Dann bekam die Vierte nämlich, zusammen mit den frisch-gebackenen Heino-Gerstenberg-Pokalsiegern der 6.Herren, eine kleine Ehrung im Stadion von Vereinsseite aus. Und das war ihnen wahrlich zu gönnen. Dummerweise funktionierte die Lautsprecheranlage auf der Süd nicht, so dass dort kaum jemand etwas davon mitbekam und der ganz große Jubelsturm leider ausblieb. Dieser Titel scheint echt irgendwie verhext zu sein. Trotzdem eine klasse Aufmerksamkeit von der Abteilungsleitung.

Von toten Puppen, Punk und Pyramiden –
die Wahnsinnspaadie

Nach dem freundschaftlichen Testkick Ende Juni gegen die 4.Mannschaft der SG Dynamo Dresden (Bezirksligist, Endstand 1:3) und dem Meisterfoto-Shooting auf dem Hochbunker (siehe aktueller Jolly-Flyer), wurde am 2.8. dann das große Jubiläum gefeiert. Das kleine, etwas chaotische Einladungsturnier auf den Kunstrasenplätzen gewannen verdient die Gäste vom TuS Bloherfelde, die ein wunderschönes Gemälde vom Kiezkieker mit nach Oldenburg nehmen durften. Jedes teilnehmende Team hatte einen selbst gebastelten Preis mitgebracht, wobei sich einige Skins aus der 5.Mannschaft des SC Sternschanze wohl am allermeisten über ihre Trophäe für den letzten Platz gefreut haben. Aber wer will ihnen das verdenken. Die Randale-Fotos gibt es auf www.myspace.com/fcstpauli4 („25 Jahre 4. Herren“) zu sehen.

Ab 19:10 Uhr flüchteten dann ca. 130 teils pitschnasse Gäste vor dem Platzregen ins Clubheim. Eine gut gelaunte Mischung aus Ehemaligen und Aktiven, interessierten Vereinsmitgliedern, Freunden und Verwandten bestaunten von 20:30 Uhr an den halbstündigen, allerersten Auftritt von ÜS-Redakteur Schiwecko mit seiner neuen Band ...And The Red Buttons. 6 eigene Punkrock-Songs der härteren Sorte wurden einer nach und nach breiteren Öffentlichkeit vorgestellt, plus großartige Coverversionen von Riot Of Rats und UK Subs, welche alle durchweg super ankamen. Das Vergnügen wird man demnächst garantiert noch öfter haben. Auf youtube.com findet man unter „...and the red buttons! Live! St Pauli clubheim“ einen Teil des Auftrittes. Als zweites gab es dann Hardcorepunk alter amerikanischer Schule vor den Latz und massig Konfetti für alle. Bei bXo (steht für Beate Ouzo Hardcore) quiekt der Verfasser dieses Textes selbst und hält sich von daher mit der Lobhudelei zurück. Wir vier sind jedenfalls das Schnellste was man im Hochsauerland so erleben kann, scheißen auf jeglichen Bekannt-Hype übers Internet und verherrlichen weiterhin das altmodische DIY-Prinzip. Bis Herbst schnippeln und kleben wir also noch an unserem ersten Demo rum, was Interessierte sich dann für kleines Geld im Jollys oder dem Fansladen zulegen können. Die in den vergangenen Ausgaben ein wenig großspurig angekündigten Auftritte von Bands ehemaliger Spieler (z.B. Kommando Sonne-Nmilch, Graue Zellen etc.) oder Thees Uhlmann, fielen leider einer nach dem anderen ins Wasser. Aber die Bands der beiden noch aktiven Spieler an dem Abend reihen sich nahtlos in die lange Musikerliste der 4.Herren-Historie ein. Und der Stimmung tat das erst recht keinen Abbruch. Ohne einen fetten Hauptact blieb die ganze Veranstaltung so eher familiär, was alle Anwesenden spätestens im Nachhinein begrüßt haben. Direkt nach den Liveauftritten legte Chrischan nämlich einen Hit nach dem anderen auf, so dass im ganzen(!) Saal quasi bis zum Rausschmeißer-Song durchgehend ausgelassen getanzt wurde. Kein Scheiß, es war eine absolute Wahnsinnsparty mit zig wunderbaren Momenten und herzzerreißenden Wiedersehen. Höhepunkte waren auf alle Fälle die stundenlange Slideshow mit unzähligen Schnappschüssen aus vergangenen Tagen und natürlich die vierstöckige Menschen-Pyramide aus Spielern der 4. und 6.Herren weit nach Mitternacht, um jetzt nur mal zwei zu nennen. Die letzten Gäste sollen die Vierte noch bis in den frühen Morgen gebührend begossen haben. Der Großteil der Übersteiger-Redaktion weiß davon allerdings nix (mehr), gratuliert aber nochmals höflich. „When i'm playing for St.Pauli, i get out my head. I just can't get enough, i just can't get enough. All the things you do to me and all the things you said. I just can't get enough, i just can't get enough. And now we first time win the championchip and i just can't get enough of it oh düp düp düpdüdüp düp düp...“

// Stemmen
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