Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Günter Peine: »Bei St. Pauli muss man mit Herz und Seele spielen«

Stell dir vor, es ist Sicherheitskonferenz und fast alle gehen hin

Bullenstress - und kein Ende in Sicht

St. Paulis Revolution im Jugendfußball

Neues von den Alten



»Bei St. Pauli muss man mit
Herz und Seele spielen«

Diese Worte stammen von einem, der vielleicht wie kein Zweiter das Herz und die Seele des FC St. Pauli verkörperte. Andere hatten größere sportliche Karrieren als er, aber das hat ihn nie angefochten; nach seiner aktiven Zeit war er „nur“ Mitglied und Fan.

Günter Peine wurde am 02.08.1920 in der Holstenstraße geboren. Mit neun zog er mit Mutter und Schwester ins Viertel (Annenstraße) und begann auf den Bolzplätzen hinter den Wallanlagen mit dem Kicken. Wie so viele der damaligen Zeit wurde er von Käptn Rudolf entdeckt und überredet, dem Verein beizutreten. Das geschah am 6. Juni 1930. 50 Pfennig Monatsbeitrag, verdammt viel Geld für eine alleinerziehende Mutter; damals konnte man für die Summe zwanzig Brötchen kaufen. Und am 8. Juni 1930 das erste Spiel für die 3. Knaben des FC St. Pauli gegen Vineta (dem heutigen SC Sternschanze). Über die Jugendmannschaften ging es bis in die Liga, die erste Mannschaft. Den Freiplatz für das Gymnasium „verkickt“, drangegeben für den Fußball. Mit 19 das Debüt an der Seite von Helmut Johannsen in einem „Gesellschaftsspiel“ gegen den Rothenburger FK, bestritt er über 40 Ligaspiele für den FC St. Pauli als linker oder rechter Verteidiger. Wenn nicht der Krieg gewesen wäre, wären es sicherlich ein paar mehr gewesen.

Nach dem Krieg kam dann die Zeit der Wunderelf und die „Alten“ mussten ins zweite Glied treten; am 6. Januar 1946 gegen Braunschweig (wieder ein Freundschaftsspiel) lief er das letzte Mal für die erste Mannschaft auf. Er hatte Angebote von anderen Vereinen aus Hamburg (Union, Vicky, ETV oder dem AFC), wo er 1.500 DM hätte verdienen können. Aber wann immer ihn seine Frau zu einem Wechsel bewegen wollte, sagte er nur: „Da will ich nicht hin, ich will Freunde um mich herum haben.“ „Bei mir“, so sagte er einmal, „dauert es lange, bis ich einen freundschaftlichen Kontakt habe – und den habe ich nur beim FC St. Pauli.“ So blieb er dem Verein treu, bis 1952 als Kapitän der Reservemannschaft, die dreimal in Folge Hamburger Meister der Reserverunde wurde. Als dann 1952 auch die Amateure des FC am normalen Ligenspielbetrieb teilnahmen, musste er seine Karriere beenden. Beruflich zu viel zu tun, um noch regelmäßig zu Training und Spielen zu gehen. „Ich war von eh und je der kleine Mann. Wer was will, setzt sich vorne in die erste Reihe. Ich setz mich in die letzte Reihe und wenn man was von mir will, kann man mich von dort wegholen.“ Hat man nach seiner aktiven Karriere dann auch noch einmal getan. In den 1980ern wurde er in den Ehrenrat gewählt. Nachdem Harald Stender aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Vorsitzender kandidierte, übernahm er für vier Jahre das Amt; kandidierte 2007 nach dem Tod seiner Frau dann nicht mehr.

Günter PeineSpätestens ins ganz große Licht der St.Pauli-Öffentlichkeit trat Günter Peine, als er anlässlich der 100-Jahre-Feier beim Jahr-100-Konzert einige seiner Gedichte vortragen durfte, die er über den Verein geschrieben hatte. Auch dazu hatte man den Mann aus der letzten Reihe eher drängen müssen. Aber das war sicherlich einer der Höhepunkte im Leben jenes Mannes. „Wünsche hat ja jeder, aber ich muss nicht darauf bestehen“ hatte er in einem Interview gesagt. 2009 äußerte er anlässlich des bevorstehenden Jubiläums aber dann doch einen: „Ich bin seit 79 Jahren durchgehend Mitglied. 100 Jahre FC St. Pauli, 90 Jahre Günter Peine, 80 Jahre Mitgliedschaft im Verein. Das wäre eine tolle Sache nächstes Jahr.“ Dieser Wunsch ist ihm erfüllt worden; es sind 92 Jahre Günter Peine geworden und 82 Jahre Vereinsmitgliedschaft; ein Rekord, der wohl nie mehr geknackt werden wird. Bis zum April 2012 war er bei jedem Heimspiel dabei, dann ging das leider gesundheitlich nicht mehr. Ein Hommage an Günter Peine wäre aber unvollständig, wenn nicht wenigstens eines seiner Gedichte zitiert werden würde. Und keines drückt Günters Credo und seine Beziehung zu diesem Verein besser aus, als dieses:

„Sankt Pauli zieht die Herzen an,
egal woher sie kommen.
Sankt Pauli bietet Freundschaft an,
hier wird man aufgenommen.

Sankt Pauli bleibt der gute Geist,
der in die Herzen geht.
Sankt Pauli bleibt Sankt Pauli,
auch wenn mal Halbmast weht.“

Am 2. August 2012, seinem 92. Geburtstag, ist Günter Peine in seinem Wohnort Bönningstedt friedlich eingeschlafen. Damit hat der Verein viel Herz und viel Seele verloren. Mögen wir alle, die es mit dem FC St. Pauli halten, ein wenig Günter Peine sein.

// Fuisligo
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