Vorwort

Jahreshauptversammlung 2012

We are doing things the smurfy way!

Sasan - St.Pauli Fan aus Teheran

Einwurf

Neues von den Alten



Einwurf

Die Hinrunde ist gespielt. Die Mannschaft ist bemüht, an einem einstelligen Tabellenplatz zu kratzen. Ernüchterung. Zumindest angesichts der gesteckten Ziele. Gleiches gilt für meinen neuen Platz auf der Gegengeradenbaustelle.

Die Hinrunde ist gespielt. Die Mannschaft ist bemüht, an einem einstelligen Tabellenplatz zu kratzen. Ernüchterung. Zumindest angesichts der vorgegebenen Ziele. Gleiches gilt für meinen neuen Platz auf der Gegengeradenbaustelle.

Große Erwartungen gab es an die Tribüne mit ihren 10.000 Stehplätzen. Ein Inferno bei jedem Spiel über 90 Minuten war zu erwarten. Aber nach den ersten sieben Heimspielen ist die Keimstätte unserer heutigen Fanszene nur ein schwacher Schattenwurf ihrer selbst auf dem beheizten Rasen. Die Diskussionen um die Bullenwache im Nacken, fremde Gesichter um mich herum, kein Dach über dem Kopf und eine miserable Stimmung. Ja, ja, ich weiß, das muss sich alles erst neu finden. Aber wann denn eigentlich? Wenn es dann komplett fertig ist und die 4.000 neuen Stehplatzkarten vergeben sind. Stattdessen reiben sich Offizielle, Fans und Politiker bis dahin endgültig aneinander auf oder entzweien meine Liebe derart, dass die Scheidung droht.

Kuhhändler im Urlaub

Nun ist es ja mal so, dass man in der Gegenwart nie genau weiß, wie sich Veränderungen auf die Zukunft auswirken. Meist lässt sich das erst im Nachhinein mit einigem Abstand beurteilen. Gerade bei Bauprojekten kann die Abweichung vom Geplanten zum Vollendeten gewaltig sein. Und dennoch wird das liebgewonnene Alte häufig schnell vergessen und das Neue bahnt sich unaufhaltsam seinen Weg. Manchmal geht es gut, aber manchmal geht es eben voll daneben. Das passiert eben. So sind wir in unseren Köpfen nun mal alle drauf wie wir drauf sind. Kann keiner rein gucken, ist aber auch gut so.

Aber was wurde denn hier eigentlich in welcher Art und Weise vor einigen Jahren vereinbart? Was hat sich durch den Umbau verändert und was ist geblieben?

Ein Ex-Präsident sagte einst zu einem Ex-Bürgermeister: „Wir brauchen einen Kredit und eine Bürgschaft von euch, weil wir ein neues Stadion bauen wollen.“ Der Ex-Bürgermeister sagte: „Klar, können wir machen. Allerdings haben wir ein bis zwei kaum erwähnenswerte Problemchen. Denn eigentlich haben wir für unsere wesentlichen Aufgaben nicht mal genug Geld. Aber wenn ihr uns helft, dann helfen wir euch natürlich auch. Alles easy, kein Problem. Hauptsache mein Leuchtturm im Hafen wird fertig!“ Also einigt man sich. Der ganze Quatsch wird in der Bürgerschaft diskutiert und verabschiedet.

Preis- und Polizeianpassung

Ein paar Jahre später ist der erste Teil der Abmachung erfüllt. Jetzt also sind wir am dransten, Wort des zu halten. So läuft nun mal der Hase. Eine Hand wäscht die andere. Regel Nummer 1 in der Politik lautet: Nix ist für lau. Der Wunsch der Stadt ist uns seither Befehl. Also spuren wir. Dieses Rauschen zumindest höre ich, wenn ich die Verantwortlichen zum Thema Goliathwache auf meiner Gegengeraden reden höre. In der Tat sitzen wir in der Zwickmühle. Denn leider hat der Ex-Präsident nicht an die Fans gedacht.

Wie bitte, was ist los? Ach, die Fans wollen keine ständige Polizeiwache im Stadion? Da soll ein Museum hin? Ja, aber so geht es doch nicht liebe Freunde! Erst fett bestellen, essen, saufen und anschließend die Zeche nicht zahlen wollen! Wie, ihr habt gar nicht selbst bestellt?

Folgt man der Argumentation des Präsidiums, so habe sich die Stadt an den Deal gehalten. Wir haben unsere Bürgschaft einen Kredit. Nun also seien wir dran, unseren Teil der Abmachungen einzuhalten. Wie also ist der Spagat zu schaffen?

Nun notfalls müssten einfach die Eintrittspreise angehoben werden, wenn der Pöbel unbedingt eine externe Polizeiwache haben muss. Der Fan habe das ja so gewollt und nun müsse er dafür zahlen. Nix ist für lau! Ist klar soweit, oder?

Aber auch der feine Herr Innensenator weht wie die Fahne im Wind - mal hin, mal her - und doch weiß er nicht so recht, wohin mit sich und seine Problemen. Geht es denn noch, liebe Politiker? Phrasen, die nie jemand gedroschen haben will. Schlechte Taschenspielertricks gespielt von zwielichten Hütchenspielern. Klar, mafiöse Strukturen im Bausektor wundern niemanden mehr, besonders nicht in dieser abrissfreudigen Stadt. Aber irgendwie habe ich als ordinärer Fußballfan keinen Bock mehr auf dieses Geschachere mit meinen Gefühlen, meiner Zeit und meinem Geld.

Das, ja genau DAS muss man sich mal reinziehen: Alle zahlen hier Steuern, der Verein, die Fans, Studenten und die Arbeitslosen. Und dann kommt die Politik auf die dummdreiste Idee, zusätzlich auch noch die Kosten für innere Sicherheit, ergo den kompletten Polizeiapparat mit Infrastruktur und allem was damit zusammenhängt auf die unbeugsame Fangemeinschaft eines kleinen Stadtteilvereins umzulegen. Ein NO GO!

Das kann ich einfach nicht glauben. Obwohl ich ja sonst schon auch nichts Glaube, ist das die absolute Frechheit an vergorener Hirnsuppe. Sind wir denn ein privat finanzierter Sicherheitsstaat? Was passiert, wenn die Typen vom lustigen Kultverein nicht blechen wollen? Zurück vor die Glotze und Fresse halten. Keine Mitsprache.

Aufgepasst liebe Anwohner. Dann seid ihr auch bald dran. Denn in Zukunft müsst ihr eure eigene Polizeidienststelle bauen und betreiben! Die Kosten werden auf Anwohner umgelegt. Alle Schausteller auf dem Dom und Marktbeschicker aufgepasst. Auch ihr müsst bald eure eigene Wache finanzieren, wenn ihr eurem Gewerbe weiter nachgehen wollt.

Zu allem Überfluss werden hinter all den Fassaden und pyrotechnischen Blendgranaten noch Grabenkämpfe eröffnet. Wer mit wem nicht will oder kann, schiebt dem anderen den schwarzen Peter zu. Es wird gehakt und getreten, geflucht und gebeten. Schon immer von oben herab auf den Schwachen drauf.

Meckerecke 2.0 :
Der große Kohlenbums

Nein, Nein das kann nicht sein, das darf nicht sein das will ich nicht. Ist aber so. So macht man große Politik - ist eben nix für lau. Nö, auch ich weiß es nicht besser. Aber sollte nicht eigentlich vor geraumer Zeit ein Stadion für 35 Mio Flocken REKONSTRUIERT werden? So hieß das in der offiziellen Sprache, wegen der Steuer. Hieß es nicht, wir rekonstruieren erst weiter, wenn genug frisches Geld durch Business- und Titten-Séparées generiert ist. Hanseatisch weiterbauen, wenn wieder genug Kohle in der Kriegskasse ist? Jawoll, deshalb muss der Bumsvertrag dann auch noch verlängert werden, dass es nur so wackelt im Businessbereich. Wer die Kohle bringt hat immer Recht.

Davon sind wir trotzdem meilenweit verschuldet, äh entfernt. Nicht auszudenken, wie ein Jahr dritte Liga die Finanzierungssuppe versalzen würde. Na ja, noch kratzen wir dank zweieinhalb fertiger Tribünen am einstelligen Tabellenplatz. Ein befreundeter Architekt meinte jüngst, an so einem geraden Betonbau sei nicht viel Aufwendiges dran. Mag sein, aber die Kosten sind trotzdem produziert. Halbfertig sieht die geilste Tribüne der Welt in dem beliebtesten Stadtteilstadion Europas eher aus, wie das Parkhaus ohne Strom am Fähranleger Wittdün. Und so fühlt es sich an. Na dann, abpfeifen, wie falscher Einwurf. Ach so die Rote Karte war auch unberechtigt. Ist deshalb der Schiedsrichter an allem Schuld?

// JE
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