Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Frodos Tagebuch

Raumgewinn

Aufstieg und Fall - and the winner ist (not)...



Vorwort 111

Wenn man in den Niederlanden auswärts unterwegs ist, muss man einiges ertragen. Es ist normal, dass man nur in Verbindung mit einer personifizierten Clubcard überhaupt ein Kombiticket „Busfahrt plus Eintrittskarte“ erwerben kann. Es ist ebenso normal, dass dann einige Kilometer vor dem Zielort, Stuarts des eigenen Vereins in den Bus steigen und alle Anwesenden erst hier gegen Kontrolle der Clubcard und Anmeldung ihre Eintrittskarte erhalten, während der Bus mit Polizeibegleitung zum Stadion fährt. Die Reise endet diesmal in Venlo in einem mit meterhohen Zäunen und Sichtschutz umgebenden Gästeparkplatz von dem es direkt in den Gästeblock geht. Für das leibliche Wohlergehen ist ein kleines Loch in den Zaum geschnitten, um das Durchreichen aus dem Verkaufsstand von nicht alkoholischen Getränken & Co zu ermöglichen. Vermutlich deshalb betäuben sich die Fans unseres Nachbarlandes sofort nach Abfahrt des Busses mit Unmengen diversen Alkoholika und singen dabei „Rosamunde“. Warum erzähle ich das? Weil ich froh bin, ein derartiges Szenario in unseren Landen nicht ertragen zu müssen.

Ich hingegen kann mich wochenlang auf eine (zugegebenermaßen seltener gewordene) Auswärtsfahrt freuen, während derer ich mich frei bewegen kann, mich mit Anderen außerhalb des Stadions treffen und sogar mit den gegnerischen Fans ein Bier trinken darf. So wie in Bochum beispielsweise. Das ist Fußball: Betontribünen, Pissrinnen, schlicht und einfach. Draußen Trinkhallen, Kneipen, Straßenbahnen. Leider vergesse ich vor lauter Vorfreude jedes Mal, dass ich dem FC St. Pauli hinterher fahre und muss mich damit abfinden, dass es in meinem Leben mit Auswärtssiegen nichts mehr wird. Gefühlt zumindest! Vor Neururer hätten vielleicht 11.000 schlecht gelaunte Bochumer eine Heimniederlage gesehen, mit Neururer und St. Pauli zu Gast sehen 26.000 bestens aufgelegte Blau- Weiße einen souveränen Heimsieg. So und genau so fühlt sich jetzt schon diese ganze, zähe Saison an. Und das nicht nur Auswärts!

Die beiden Gegentreffer in den letzten beiden Minuten zur Niederlage gegen diese Proleten aus Berlin sind wie ein Stich ins Herz. Ich soll im Vorwort einen Saisonrückblick verarbeiten, bekomme ich mit auf den Weg. Ja, was denn? Das muss ich selbst erstmal verarbeiten! Habe nur Angst, dass es mit dieser Mannschaft (Spieler wie Funktionsteam) und unseren begrenzten finanziellen Mitteln nächstes Jahr genauso weiter geht. Was lernen wir daraus? Eine neue Tribüne macht noch keinen Sommer. Oder so ähnlich.

Und was haben wir im Heft? Neben jeder Menge altbewährtem, ein großes Interview mit Fanräume e.V., spannendes zu den Ultras in Ägypten und ihren Aktivitäten während der Revolution, einen Reisebericht aus Nordengland, eine Nachbetrachtung unseres großen Auftritts beim 111- mm Filmfestival in Berlin, natürlich wieder Frodos Tagebuch usw. und so fort. Lest doch selbst.

Wir wünschen Euch einen schönen Saisonabschluss und uns allen mindestens Platz 15 (beim Verfassen dieser Zeilen stehen noch drei Spiel aus).

Wir sehen uns nach der Sommerpause wieder: In unserer Jubiläumssaison! Der Übersteiger wird nämlich 20!

Eure Übersteigers
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