Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Frodos Tagebuch

Lage der Liga

Stefan Orth im Inteview

Kiezhelden

Neues von den Alten



Stefan Orth

»Mit eurer
schonungs-
losen Offensive
kann ich ganz
gut leben«

Übersteiger: Hallo Stefan, vielen Dank das Du Dir unmittelbar vor dem ersten Saisonspiel gegen 1860 die Zeit für uns nimmst. Wie dem Abendblatt zu entnehmen ist, bist Du ja von einem klaren Auftaktsieg überzeugt.
Stefan Orth: Ich wurde gefragt wie das Spiel ausgeht und ich habe gesagt, dass wir gewinnen.

ÜS: Zum Einstieg erst mal was über Dich als Person. Seit wann bist Du denn St.Pauli-Fan?
SO: Seit 1986 geh ich ans Millerntor. Zunächst noch mit einem Nachbarn, der mich über den Schiedsrichterschein mitnehmen konnte. Seit 1987 hab ich eine eigene Dauerkarte, damals noch lila und laminiert.

ÜS: Nun wird man als Fan ja aber noch lange nicht Präsident. Wie kam es bei Dir zu diesem Schritt?
SO: Seit 2005 haben wir uns als Firma immer mehr engagiert und wurden auch in die Prozesse und Logistik bei der Sportbekleidung und deren Veredelung immer mehr einbezogen. Da wir als Verein zu der Zeit ja auch eher finanzschwach waren, wurde auch immer mehr Verantwortung an uns abgegeben und da habe ich gerne geholfen.
Als Stani dann im November 2006 vom Managerposten weg zum Trainerstuhl wechselte, ging es richtig los, da wurde ich vom Aufsichtsrat auch um einen kritischen Blick auf die wirtschaftliche Situation gebeten. Corny Littmann hatte damals mit dem Stadion ja auch keine einfache Situation und im März 2007 kam es dann ja zu der außerordentlichen Mitgliederversammlung und ich wurde als Vize-Präsident gewählt.
Angetreten sind meine Mitstreiter und ich damals, um die Finanzen und die Strukturen zu schaffen, um dann das Stadion auch fertig bauen zu können. Bis 2010 hatte sich da ja auch schon einiges entwickelt und nach Cornys Rücktritt bat mich der Aufsichtsrat, als Präsident zu kandidieren.

ÜS: Hat sich Dein Aufgabengebiet im Präsidium denn durch den Wechsel vom Vize stark verändert?
SO: Ja, eindeutig. Als Vize war ich verantwortlich für die wirtschaftliche Entwicklung, für die Vermarktung, für das Vertrauen der Politik und der Sponsoren, damit wir auch sichere Gelder generieren konnten. Das mache ich auch immer noch, wir versuchen hier alle eine Nachhaltigkeit zu schaffen, wirtschaftlich gesund zu bleiben.
Als Präsident sehe ich meine Hauptaufgabe darin, meine Arbeit für unsere Mitglieder und Fans so zu gestalten, dass das dabei rumkommt, was von mir erwartet wird. Und das zeigen ja insbesondere die Mitglieder durch Anträge auf der JHV deutlich auf. Auch die Wege in die Zukunft versuche ich entsprechend so zu gestalten, wie wir alle uns das vorstellen, und für den Fußballbereich zählen da neben den Mitgliedern eben auch die Fans dazu.
Konkret äußert sich das im Stadionbau, beim Trainingsgelände und dem neuen Funktionsgebäude. Meine persönlichen Ziele in den nächsten Jahren sind ein neues Nachwuchsleistungszentrum mit Hilfe der AFM, die externe Stadionwache und das Museum. Das große Ziel der letzten Jahre konnte mit den Fanräumen ja bereits erreicht werden, dies war für mich auch sehr wichtig.
Am Ende steht ein wirtschaftlich gesunder und nachhaltiger Verein, der sportlich attraktiv ist und der sich auch seiner sozialen Verantwortung für den Stadtteil stellt.

ÜS: Bei „sozialer Verantwortung“ müssen wir natürlich über Kiezhelden sprechen. Wie kam es dazu und wie siehst Du es, insbesondere auch im Vergleich zum „Hamburger Weg“?
SO: Die wichtigsten Ziele waren natürlich die eben genannten, Stadion, Trainingsgelände, Wirtschaftlichkeit, etc. Dies ist so gut wie vollbracht, nun widmen wir uns der sozialen Verantwortung, mit unserer neuen Plattform KIEZHELDEN.
Einerseits haben wir als großer Verein sehr viele Wünsche, die an uns herangetragen werden. Von Dorfvereinen, von Einzelpersonen, diverse private Initiativen, die sicher alle mit großem Einsatz geführt werden. Andererseits fragen uns auch Viele, wie und wo sie sich einbringen können, um zu helfen. Wir bieten mit KIEZHELDEN eine Plattform, auf der sich kreative, unkonventionelle und gemeinnützige Ideen präsentieren können, auf der aber auch Geld oder Zeit gespendet werden können. Wir bieten als Verein unser Netzwerk und Know how an, um Projekte auf den Weg zu bringen und um die Welt jeden Tag ein bisschen besser zu machen. Wer helfen will, auch abseits des finanziellen, kann dies hierüber gezielt tun, unter anderem schon in unseren Dauerprojekten. Ob als Trainer für Kiezkick oder als historisch Interessierter im Museum, oder auf andere Art und Weise für „Laut gegen Nazis“, Fanräume e.V. oder Viva con Agua. Es soll und wird natürlich nicht bei diesen Fünf bleiben, wir hoffen schon bald viele neue Projekte vorstellen zu können, mit denen wir helfen können.
Wir sind froh darüber, dass bei uns 100 Prozent der eingebrachten Mittel direkt an die Projekte geht.

ÜS: Wie siehst Du denn Dein Bild in der Öffentlichkeit? Gerade auch im Vergleich zu Corny Littmann, der ja sehr extrovertiert ist, während Du Dich ja eher etwas zurückhältst? (Anm. d.ÜS: Interview vor dem 1860-Spiel, also auch vor Frontzecks Aussagen in der Pressekonferenz zum Orth-Zitat in den Medien.)
SO: Ich hoffe, dass das so ist, ja. Auch wenn natürlich heute (Stand 19.7.) das Zitat in den Medien steht, dass wir die Löwen deutlich schlagen und die Überraschungsmannschaft der Saison werden könnten.
Grundsätzlich: Wenn ich gefragt werde, dann antworte ich auch. Und da ich davon ausgehe, dass wir deutlich gewinnen, sage ich das dann auch, ohne rumzutaktieren und Diplomatie. Derartiges wäre vielleicht manchmal klüger, aber ich stehe auch für klare Aussagen. Aber ich bin ganz sicher kein Präsident, der den Fokus darauf legt, jeden Tag in der Öffentlichkeit zu stehen.

ÜS: Unterscheidest Du denn, wenn Du mit der Presse redest, zwischen Stefan Orth als Privatperson und dem Präsidenten? Wir waren ganz sicher keine großen Freunde von Littmann, aber in sportlichen Dingen hat er es immer verstanden, sich raus zu halten. Bei Deinem Zitat heute Morgen im Abendblatt bin ich hingegen zusammengezuckt und fragte mich, ob Du nicht besser nichts gesagt hättest. Oder ist es Deine Pflicht, dazu Stellung zu nehmen?
SO: Wenn, dann sicher nur eine innere Pflicht, aber da bin ich dann zu sportbesessen, um zu sagen: „Frag mal besser Rachid Azzouzi.“ Und natürlich war in dem Zitat viel persönliche Meinung und auch der Wunsch enthalten.
Und bezogen auf das Überraschungsteam: Ich bin absolut zufrieden, wenn wir die „Top 25“ erreichen, also um Platz 7 einlaufen. Aber die Hoffnung auf ein paar Plätze weiter oben habe ich natürlich.

ÜS: Warum sind jetzt wieder die „Top 25“ das Ziel? Nachdem Schulte weg war, hatte man es doch kurzfristig sogar auf Top 18 korrigiert? Wobei 17 und 18 ja auch nicht so erstrebenswert sind.
SO: Nach Platz 4 konnten wir ja nicht sagen „Platz 10 reicht uns auch!“, auch wenn ich da innerlich schon ahnte, dass das nach dem Bruch zwischen Schulte und Schubert und mit den vielen Leihspielern kaum funktionieren konnte.
Mittelfristig aber stehen wir für die Top 25 und ich würde mich freuen, wenn wir möglichst regelmäßig um die Aufstiegsplätze mitspielen.

ÜS: Wie ist denn der aktuelle Stand beim Museum bzw. der „Goliathwache“, wie sieht es beispielsweise mit dem Tankstellengelände hinterm Bunker aus?
SO: Mein letzter Stand ist, dass dort die Polizei übergangsweise Container errichtet. Zur langfristigen Lösung gibt es eine Zusage von Seiten der Stadt (Innen-, Wirtschafts- und Finanzbehörde), einen Vertrag zu entwerfen.
Es wird wohl grob so sein, dass die städtische Sprinkenhof AG die Wache baut, an uns verpachtet und wir an die Polizei weiterverpachten.
Dies hätte zwei Vorteile: Wir müssen die 1,5 Mio. Euro Investitionskosten nicht aufbringen für etwas, was uns dann noch nicht mal gehört. Und wir müssen für die Unterhaltskosten und Instandhaltungen ebenfalls nicht aufkommen, sondern müssen nur den Differenzbetrag ausgleichen. Dazu gibt es ja einen Beschluss der Mitgliederversammlung.

ÜS: Bei der Nordkurve geht es dann im Sommer 2014 weiter?
SO: Es läuft, und zwar alles in enger Absprache mit der Stadionbau AG. Eine Grobplanung ist veröffentlicht, von Seiten des Präsidiums betreut das Gernot Stenger, in Absprache mit der AG, Wolfgang Helbing und natürlich der Firma Hellmich. Es gibt also keine Alleingänge, es wird so gebaut wie wir alle es haben wollen.

ÜS: Gibt es denn da eine Deadline, bis zu der ein Startschuss erfolgt sein muss, um den Bau während der WM zu ermöglichen? Und kann uns dabei ein ähnlicher Saisonverlauf wie zuletzt dazwischen grätschen, weil sich das in Liga 3 nicht finanzieren lässt?
SO: Die Finanzierung steht, das Geld ist zusammen, wir stehen da auch etwas in der Pflicht. Aber klar, wenn wir Weihnachten auf den letzten Plätzen rumhängen, was ja aber auch keiner glaubt, dann müsste man da sicher noch einmal drüber diskutieren.

ÜS: Ist es nötig dass der Verein und die UFA die besten Séparées auf Höhe des Mittelkreises besetzen? Das sind doch die Filetstücke, die man bei unserer finanziellen Not vielleicht besser verkaufen sollte?
SO: Nötig ist es nicht, aber wir haben sie noch, richtig. Als wir in der 1.Liga ausverkauft waren, war es eine heiße Diskussion, ob wir uns diese letzten ca. 75.000,-€ auch noch holen. Es ist ein offenes Doppel-Séparée mit der UFA und die möchten diesen Bereich nicht aufgeben, um potentielle Neukunden aus Politik und Wirtschaft dorthin einladen zu können.
Für uns ist es außerdem auch noch Büro- und Besprechungsraum-Ersatz und da wir auch noch drei weitere Séparées, auch in guter Lage, noch nicht verkauft haben, stellt sich die Frage aktuell nicht. Bei einem guten Angebot und wenn sonst nichts mehr frei ist, würden wir aber ausziehen, klar. Genauso klar: Es ist ein schönes Büro mit Blick ins Millerntor, unserer Heimat.

ÜS: Und wo wir schon bei der Vermarktung sind: Warum hat das mit dem Trikotsponsor denn so lange gedauert und warum wurde es Coca-Cola?
SO: Es war durchaus schwierig, den sehr guten Preis der ARD-Fernsehlotterie, den wir wieder erzielen wollten, auch zu erzielen. Den haben wir jetzt nicht ganz erreicht, aber es gab auch zwei-drei weitere Interessenten, für die die Summe nicht möglich war und die sich jetzt im kleineren Rahmen einbringen werden, womit der Vermarktungshaushalt wieder steht.
Und es gab andere Branchen, wo wir hätten einen höheren Betrag erzielen können, was für mich persönlich aber in dem Fall nicht wünschenswert gewesen wäre. Der wirtschaftliche Zwang, eine gewisse Summe zu erzielen, ist da. Und die Unternehmen, die von allen Teilen der Fanszene komplett akzeptiert werden, zahlen derartige Summen nicht.
Die Fernsehlotterie war sicher ein Idealfall, auch mit den handelnden Personen, aber die konnten nun leider nicht mehr verlängern.

ÜS: Wie ist denn der Stand bei der „Millerntor-Collection“ im Rechtsstreit mit Upsolut?
SO: Das Gericht hat den Termin jetzt zum dritten Mal verschoben, im September soll es endlich ein Urteil geben. Danach kann der Unterlegene in Berufung gehen und es könnte noch einmal eineinhalb Jahre dauern.
Ich hoffe natürlich auf den großen Erfolg, zumindest aber auf eine Verkürzung der Laufzeit oder andere Änderungen: Beispielsweise behält Upsolut den Totenkopf und wir bekommen das Vereinslogo zurück oder die „Millerntor“-Marke wird frei oder ähnliches.

ÜS: Bei letzterem bist Du ja auch die die Firma „Ute Orth“ beteiligt. Ist dies während Deiner Präsidentschaft satzungstechnisch aus Deiner Sicht ein Problem?
SO: Seit 2005 bin ich mit der Firma im mittleren Sponsoring, wir beflocken die Kleidung des Vereins umsonst und der Verein spart dadurch circa 40.000,-€ pro Saison. Da fließt vom Verein kein Geld an mich, der Dienstleistungsvertrag ist einsehbar. Bei der Millerntor-Kollektion habe ich für den Verein etwas entworfen, aber das wird dann im Erfolgsfall vor Gericht zukünftig nicht von Ute Orth hergestellt, sondern vom Verein.

ÜS: Krasser Themenwechsel: Schweinske-Cup. Hast Du nach dem Ergebnis des Öffentlichen Ausschuss noch etwas hinzuzufügen?
SO: Ich habe da intensiv mitgearbeitet, wie ja auch Vertreter des Fanladen und Sven Brux, sowie der Aufsichtsrat. Wir haben in den Gesprächen unsere Unzufriedenheit über die Abläufe an dem Abend deutlich gemacht, sehr viel deutlicher als sie jetzt im von allen unterzeichneten Abschlussbericht steht. Das die Hamburger Polizei zumindest in dieser Runde auch sagt: „Wir haben Fehler gemacht!“, zum Beispiel beim Einsatz von Pfefferspray, ist schon ein großer Schritt, auch wenn sie das schriftlich nicht mitteilen können und dürfen.
Die Arbeit in diesem Ausschuss geht auch weiter, wir bleiben hier also auch im Dialog mit der Stadt.

ÜS: Was geht dir an der Fanszene auf den Keks?
SO: Die schonungslose Offenheit auf Missstände hinzuweisen ist sicher im Nachhinein meist gut und richtig, in den Momenten selber sagt man sich dann natürlich erst mal „Scheiße, hab ich da was übersehen?“ Ich versuche immer, den besten gemeinsamen Weg für unseren Verein, seine Mitglieder und die Fans zu finden, nur ist dies eben nicht immer möglich. Und manchmal finde ich die deutlichen Worte dann auch zu deutlich. Und dann schreibt jemand eben auch mal „Dies ist scheiße, das ist doof, jenes ist Mist!“, ohne mal vorher mit uns zu sprechen, oder Dinge für sich zu hinterfragen und auch mal unsere Seite zu sehen. Das geht mir dann manchmal etwas auf die Nerven.

ÜS: Hast du dabei auch ein wenig gelernt aus dem wie Littmann mit den Fans umgegangen ist?
SO: Nein, also das war nie mein Anspruch hier irgendjemandem nach dem Mund zu reden…

ÜS: Um Himmels Willen, das würden wir dir auch nie unterstellen! Wir meinen eher dass man halt ganz derbe Probleme kriegen kann wenn man so, sagen wir mal, arrogant auftritt?
SO: Ja, aber das bin ich nicht und das wäre auch nie mein Weg gewesen. Das habe ich auch ganz am Anfang gleich gesagt, wenn man so jemanden wollte, dann hätte man mich nicht wählen sollen. So bin ich nicht und das will ich auch nicht. Bei mir steht die Arbeit im Mittelpunkt, nicht die Person Stefan Orth.

ÜS: Sprechen wir noch ein wenig über den Nachwuchs. Gibt es eigentlich Pläne bezüglich eines langfristigen Spielortes für die U-23, grad im Zuge dessen dass der Brummerskamp ja auf längere Sicht wegfallen wird?
SO: Ich habe ja eben schon mal deutlich gemacht, dass ich während meiner Präsidentschaft Nachhaltigkeit schaffen möchte. Ich möchte das Stadion fertig bauen, die Polizeiwache extern unterbringen, ein vernünftiges Museum auf die Beine stellen, ein neues Trainingsgelände fertig stellen, was ja nicht mehr lange dauern wird, und in der Zukunft liegt noch zusammen mit der AFM ein neues Nachwuchsleistungszentrum zu erschaffen. Und da haben wir die Möglichkeit ein Grundstück an der Kollaustraße langfristig an uns zu binden, was aber natürlich mit Kosten verbunden ist. Wir sind in Gesprächen mit der AFM und benötigen dafür evtl. auch noch einen mittelgroßen Sponsor. Also Sportvorstand, AFM und ein Sponsor, die jeweils ein Drittel der Kosten übernehmen, versuchen grad ein Paket zu schnüren.

ÜS: Aber eine Vision von einem neuen Stadion für die 2.Mannschaft gibt es nicht?
SO: Wenn wir diese Möglichkeit nutzen können und die 40000qm gegenüber an der Kollaustraße für 30 Jahre an uns zu binden, haben wir genug Platz um eine vernünftige Heimat für die U23 und die darauf folgenden A-, B- und C-Jugenden zu schaffen.

ÜS: Es geht ja auch um die Einbindung der U23-Spieler, wie z.B. gemeinsames Training - Stichwort „Local Player“-Regelung, welche Teil des Lizensierungverfahrens der DFL ist. In der letzten Bewertung war die zu geringe „Durchlässigkeit“ vom Nachwuchs in den Profibereich bei uns der Grund für weniger Prozentpunkte. Was soll in dem Bereich verbessert werden?
SO: Das ist komplett anders seit dem Rachid Azzouzi da ist. Guck dir mal die Spiele der Jugendmannschaften oder der U23 an, unsere Co-Trainer und auch Rachid selbst sind fast immer da, Michael Frontzeck auch oftmals. Timo Schulz wurde letzte Saison dafür abgestellt das Bindeglied zwischen dem Nachwuchs- und Profibereich zu sein. Wir machen auch Sondertrainingseinheiten, wo die Jungen oben bei den Profis mittrainieren, oder Okan Kurt war z.B. mit im Trainingslager. Unser Focus liegt ganz klar auf der U23 und, das muss ich betonen, vor allem auch auf der A-Jugend. Die sind alle in einem Alter, wo man schon sehen kann, ob was aus denen wird. Das wird alles intensiviert und es trainieren inzwischen regelmäßig A-Jugendliche und U23-Spieler mit bei der 1.Mannschaft, oder fahren halt mit ins Trainingslager. Das ist ein sehr hoher Anspruch, aber wir hoffen so jedes Jahr im Idealfall 1-2 Spieler hochziehen zu können.

ÜS: Warum ist denn Zlatan Bajramovic jetzt beim HSV gelandet anstatt hier? Und wann kommt denn nun Ivan Klasnic zurück?
SO: Tja, Ivan hat uns nie ein Zeichen gegeben dass er zu uns kommen will, Punkt. Und bei Zlatan war es so, dass wir ihm ein Angebot gemacht haben und der HSV hat eben ein besseres gemacht.

ÜS: So einfach ist das.
SO: Wir sind an unsere Grenzen gegangen, mehr ging nicht in dem Budget welches wir für den U23-Trainerstab zur Verfügung haben. Wenn ein Erstligist doppelt soviel zahlen kann, dann ist es das halt.

ÜS: Es stand auch mal eine Kooperation mit dem FC Fulham im Raum. Hat sich daraus was ergeben?
SO: Da hat nichts raus ergeben, nein.

ÜS: Du bist öfters in London, oder? Warst du auch beim diesjährigen Championsleague-Finale?
SO: Ja, ich mag die Stadt sehr gerne. Aber beim Finale war ich nicht, nee. Wäre natürlich interessant gewesen, aber ich gucke auch lieber „kleineren Fußball“ als immer die gleichen 6 großen Vereine. In der Europaleague lernt man auch mal neue Namen kennen und sieht andere Vereine, das finde ich interessanter.

ÜS: Das sehen wir ganz ähnlich. Zum Abschluß - ganz wichtig – ein paar Worte zum Übersteiger-Jubiläum!
SO: 20 Jahre Übersteiger, ja. Was hatte ich vorhin noch gesagt? 20 Jahre schonungslose Fanstimme, die manchmal aufwühlt, aber auch den Finger immer wieder in die Wunde legt.

ÜS: Wenn du seit 1986 ans Millerntor gehst, warst du dann auch immer regelmäßig da und hast die Anfangszeit der Fanzines miterlebt.
SO: Es gab eine Zeit, als ich Vater geworden bin, da war ich 2 Jahre lang ohne Dauerkarte. Ansonsten bin ununterbrochen hier hin gegangen. Ich muss aber fairerweise gestehen, dass ich diesen ganzen Fanzine-Boom hier nicht so verfolgt habe und alle 2 Wochen jedes Heft gelesen hab. Ich bin schon hauptsächlich wegen Fußball und Bierchen ans Millerntor gegangen. Ich hoffe aber natürlich dass es mit dem Übersteiger noch lange weitergeht, haha. Ich sag jetzt mal nicht dass ihr schon manchmal nervig und anstrengend seid. Nein, wie gesagt, mit eurer schonungslosen Offensive kann ich ganz gut leben und ich hoffe es geht so weiter.

ÜS: Auf jeden Fall! Das wärs, dankeschön!
SO: Ich hab zu danken.

Das Interview führten Frodo und Stemmen
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