Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Walter Frosch

Sky säuft Kneipen leer

Zwischen Fußball und Grabenkämpfen

Hauptsache rumhupen

Neues von den Alten


Zwischen Fußbal und Grabenkämpfen

Wer sind wir?

Wir sind das Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus. D.h., wir halten nicht so viel davon, den Schiri als „Schwuchtel“ zu beschimpfen oder Sky-Reporterinnen zu bitten, sich auszuziehen. Sicher sind wir Euch durch verschiedene Aktionen aufgefallen! Z. B. die Choreo bzw. der Aufruf beim Sandhausenspiel, was unsere Anliegen thematisierte. Auch die Mannschaft trug an dem Tag ein Transparent ins Stadion.

Was ist los?

Ansprechen tun wir euch wegen der Vorkommnisse des letzten Heimspiels. Ihr erinnert euch: Cottbus, 3:0, großes Fest.

War noch was?

Ja, verdammt! Die Pfiffe gegen eine Fangruppe des FCSP aus der Südkurve, ausgehend von anderen Fans unseres Vereins! Das Schlimmste: diese Gruppe, die immer wieder aktiv anti-rassistische Themen ins Stadion trägt, sich gegen Diskriminierung jeder Art starkmacht, wird als Nazis beschimpft!

Ihr wart bei dem Spiel nicht im Stadion? Wir fangen von vorne an:
Die Fangruppe, die in der Südkurve steht, skandierte in Richtung der Cottbus-Fans: „Nazi-Schweine“. Der Grund hierfür waren die Vorerfahrungen, die mit diesen Gästefans gemacht wurden. U. a. sind hier „Sieg Heil“-Plakate zu nennen, die sie bei ihrem letzten Besuch für ein adäquates Gastgeschenk hielten. Weiter sind Fangruppierungen der Cottbuser bekannt für ihre Verstrickungen mit der Naziszene vor Ort.

Soweit alles Alltagsgeschäft bei Sankt Pauli: Nazifans kommen, Nazifans werden als solche tituliert und nicht toleriert!

Und dann? Ja, und dann kam es zu einer außergewöhnlichen Situation, die es im Millerntorstadion bisher so nicht gegeben hat. Andere Fans des FCSP fingen an, die Fans in der Südkurve auszupfeifen und mit dem Finger auf sie zu zeigen. Das Absurdeste kam dann, als zusätzlich „Nazis raus!“-Rufe an die Südkurve gerichtet wurden.

Und was haben wir damit zu tun?

Wir wissen, das ist kein sexistischer oder homophober Ausbruch. Warum wir als Aktionsbündnis dennoch Stellung nehmen wollen, ist unter anderem mit unseren Erfahrungen aus dem Sandhausenspiel zu erklären. Dieses Spiel fiel in die FARE-Aktionswoche. (Wer mehr dazu wissen will, googelt FARE.) Wir hatten aus diesem Anlass über verschiedene Kanäle aufgerufen, Choreos gegen Homophobie und Sexismus zu planen und ins Stadion zu tragen. Auf unserer Facebook-Seite haben wir uns für das tolle Engagement und die Mithilfe aller bedankt. Wir haben viel Zuspruch erfahren.

Auf der anderen Seite ernteten wir auch Ablehnung und Unverständnis. Das ging von einem einfachen „Nee, danke“ über „Was hab ich damit zu tun?“ bis „Gegen Homophobie halte ich nichts hoch“! In der internen Reflexion haben wir uns entschieden, die positiven Eindrücke des Aktionstages in den Vordergrund zu stellen. Doch nach den Ereignissen des Cottbus-Spiels sind wir endgültig angepisst und nicht mehr bereit, zu lächeln und zu nicken. Denn: Wir lassen uns den Mund nicht verbieten!

Es geht hier nämlich um ein generelles Problem, welches sich in den letzten Jahren wie eine Epidemie zu verbreiten scheint. Diese abgefahrene Anti-Haltung gegen jedes politische Engagement aus der aktiven Fanszene. Es geht nicht, eigene Fans auszupfeifen, weil sie Politik ins Stadion bringen; wo doch Fußball nichts mit Politik zu tun hat! Eine Neuigkeit für alle, die schon im Winterschlaf liegen und vom “Schonraum” Fußballstadion träumen. Fußball IST politisch! Wie jeder Lebensbereich von Politik berührt wird! Im Stadion sind Rassismus und Sexismus und dieser ganze bunte Strauß an Diskriminierungen seit jeher ein Problem. Wie glücklich wir uns schätzen können, dass sich damals die Fans des FCSP politisch gegen diese Phänomene stark gemacht haben. Und wie erstrebenswert, dass es immer noch eine aktive Fanszene gibt, die diese Werte, die Sankt Pauli in einer Pionierfunktion in den Fußball getragen hat, hochhält und zu ihren eigenen macht!

Wer meint, dass Fußball und Politik Feuer und Wasser sind, sollte sich ernsthaft hinterfragen, was er im Millerntorstadion zu suchen hat.

Wir vom Aktionsbündnis sind froh, dass es beim FCSP Fans gibt, die sich gegen Homophobie, Sexismus, Rassismus, Antisemitismus und andere Formen von Diskriminierungen stark machen. Wir sind froh, dass wir gerade nicht die Nachrichten haben, die uns in den letzten Monaten aus Braunschweig, Aachen, Duisburg und anderswo erreichten. Wir wollen eine politische Fanszene! Dazu gehört, dass man es klar beim Namen nennt, wenn eine Fanszene wie die aus Cottbus, ein Naziproblem hat. Daher finden wir es nicht akzeptabel, dass Fans, die das tun, von anderen Teilen der Fanszene ausgepfiffen werden! In diesem Sinne: "KEIN FUSSBALL DEN FASCHISTEN!"

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