Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Walter Frosch

Sky säuft Kneipen leer

Zwischen Fußball und Grabenkämpfen

Hauptsache rumhupen

Neues von den Alten


Über Foren, Blogs und sonstige Debatten

Hauptsache rumhupen

Letzte Woche war ich beim Fußball. Dabei ist mir irgendwann irgendetwas an den Kopf geworfen worden. Etwas Hartes. Ich habe mich nicht einmal umgedreht. Nicht geschaut, woher es kam und was es war. Ich habe es niemanden erzählt. Nicht einmal irgendwo geschrieben. Wisst ihr warum? Weil es einfach keinen interessiert.

Warum schreibe ich das jetzt? Um allen Forums- Hupen, mitteilungsbedürftigen Bloggern und langweiligen Twitterern zu sagen: Euer überflüssiges Geschreibsel (Ausnahmen ausgeschlossen) interessiert mich nicht. Gegen die ursprüngliche Idee von Foren, Blogs und Twitter ist zunächst nichts auszusetzen. Kommen doch in Foren und bei Twitter Leute zusammen, die sich mit bestimmten Themen befassen oder die Plattform für einen Austausch von Informationen gemeinsamer Interessen nutzen. Zum Beispiel über Anreisetipps zu einem Stadion eines Drittligavereins in Mazedonien, über neueste Entwicklungen zur Verhaltenstherapien von Hauskatzen oder auch irgendwelche wissenschaftlichen Themen. Und das weltweit. Blogger nutzen die Plattform Internet oft als einzige Möglichkeit für unabhängige Berichterstattung in Krisenländern. Bis hier ist alles gut. Aber kaum glaubt irgendwer etwas noch so Belangloses irgendwo von sich geben zu müssen, kann ich es lesen. Wenn ich es möchte! „Silvie ist auf einen Kurztrip nach Dubai“. „Marius Ebbers hat im Trainingslager Florian Bruns mit der Play Station geschlagen“. Also nicht mit dem Teil an sich, sondern im Spiel (Vielleicht tue ich den beiden gerade total unrecht). Oder irgendwer hat im Stadion einen Bierbecher an den Kopf bekommen. Ist ja ungeheuerlich. Einen Bierbecher! Im Stadion! Schwer verletzt- vermutlich. Wenn es an dieser Stelle, jetzt und in diesem Moment, einen Antwort-Button geben würde… Ich sehe die Kommentare schon vor mir: „Du ignorant, ist verboten, ist gefährlich, wie geht’s dem Verletzen, Schwachkopf, Idiot, Stadionverbot, kostet den Verein Geld, alles Gute dem Betroffenen, wann hört das endlich auf?“. 10 Seiten im St. Pauli Forum, wetten? Selbst der ein oder andere Blogger ist sich nicht zu schade solch ein Thema in die Welt zu setzen und „ist total gespannt, was denn der andere Blogger dazu schreibt“. Oh, Mann! Könnt ihr euch nicht per Mail unterhalten? Oder euch mal treffen? Zum Reden, so von Angesicht zu Angesicht? Könnt ihr euch überhaupt nicht vorstellen, dass mich das überhaupt nicht interessiert? Soweit noch halbwegs harmlos. Bei ständigem Gedisse, versuchter Gehirnwäsche oder ständiger Maßregelung sieht die Welt schon anders aus. Da schreien verdächtig viele oft nach „Konsequenzen“, „Strafen“ und „Regeln“. Das Volk will Ordnung oder so. Geht`s noch? Wir sind St. Pauli, wir sind anders! Oder möchten es zumindest sein. Also akzeptiert das „anders sein“, „jung sein“, „unnormal sein“. Akzeptiert den einen oder anderen Spruch (solange er in unsere selbst auferlegten Werte passt), habt Verständnis für von eigenem abweichenden Handeln und Denken. Das kann auch mal eine dem Gegner gegenüber verbal geäußerte Beleidigung sein; ein provozierendes Transpi, ein Kassenrollenwurf und ja, auch mal ein im Suff geworfener Bierbecher sein. Egal von wem oder welcher Gruppe. Nichts muss immer und ständig gemaßregelt, kritisiert, bevormundet, abgewogen und sonst was werden. Wir werden schon im normalen Leben genug gegängelt. Spielt euch nicht zum Richter auf. Auch wenn ihr das gerne wäret. Nichts und niemand muss sich vor euch auch nur für irgendetwas rechtfertigen. Vor euch nicht! Da könnt ihr noch so regelmäßig, meinungsbildend, zielgerichtet und vor allen Dingen in Foren feige anonym in den Straßen der digitalen Welt unterwegs sein. Mehr als ein paar andere Disser oder notorische Nörgler bekommt ihr eh nicht zusammen. Und das ist gut so! Spart euch die Zeit (woher nehmt ihr die eigentlich?) und genießt das Leben. Auch, wenn mittlerweile viele glauben, dass seitenlanges Geschreibsel über alles Unwesentliche zu dieser Welt dazu gehört. So langweilig kann mir gar nicht sein. Zum Schluss (ja, gelegentlich überfliege auch ich mal Forumseinträge) hier meine absolute Nr. 1 als Startsatz eines x- beliebigen Beitrags: „Ich halte mich für einen normalen Fan…“.

Was für ein Prädikat!

// CF
< nach oben >