Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Ein kalter Wind im Viertel weht!

Subbuteo oder Barbarei

Neues von den Alten



Vom bösen Blöden, von guten Ideen und einer mehr als bescheidenen Gesamtsituation kann man dieser Tage in allen Medien über Hamburg lesen. Wem ging es denn Weihnachten nicht so, wie allen St. Paulianern, die einmal in die Ferne zu Verwandten gereist, sich damit konfrontiert sahen: „Wie, Du bist aus dem Gefahrengebiet entkommen? Wir schlimm ist es denn wirklich?“ Seid ihr alle so Radikale da?“ Überhaupt, was ist da bei euch los: Die Antwort ist einfach und schnell: Die spinnen die Römer! Den Asterix und Obelix versteht wohl jeder, oder?

Dieser Winter war politisch wohl der härteste und kälteste Winter seit den Bambule Demos im Jahr 2003. Damals wusste man ja noch genau, aus welcher konservativen Ecke der Mief gekrochen kam. Waren es doch die Schills und von Beusts dieser Welt, die sich für das böse Feindbild mächtig und gewaltig ins Zeug warfen. Heute, einige Regierungen später, gibt es mit dem SPD-geführten Senat inklusive einem Andy Grote als Bezirkskönig Mitte den nächsten Rap. Unfassbar eigentlich, aber vorstellbar schon, denn die Sozialdemokraten in Hamburg sind schon ein ärmlicher bis hemdsärmeliger armseeliger Haufen machtversessener Schreibtischtäter, die in Sachen Ordnungspolitik gerne aus der Deckung der Macht scharf schießen. Dass die sich noch trauen, das Sozial in ihrem Namen zu führen.

Ich erspare euch hier an dieser Stelle viele Details, da ihr sie alle kennt. So soll es hier um den Stand der Dinge und die aktuelle Entwicklung gehen. Die vier zentralen Aufreger sind dann der politische Umgang mit der Lampedusa Flüchtlingsgruppe, die Gefahrengebiets-Politik, die Gründung eines sogenannten BID-St. Pauli und der Abriss der Esso-Häuser auf der Reeperbahn. Mittlerweile stehen die Esso-Häuser als ein Synonym für Verdrängung und Stadtteilpolitik und haben dabei ein bundesweites Aufmerksamkeitsecho und Medieninteresse hervorgerufen.

So fand am 8.2.14 im Baalsaal des Stadions eine weitere Stadtteilversammlung mit weit mehr als 400 Teilnehmern statt, um die aktuelle Entwicklung des Wandelprozesses im Viertel aus der Sicht von Betroffenen darzustellen. Wie wir alle wissen reicht es nämlich bei weitem nicht mehr aus, sich der Hamburger Presseorgane zu bedienen, da diese sich in unsäglicher und einseitiger Manier mit bloßem Boulevardjournalismus und fadem Abschreiben von Polizeipressemeldungen hervortun. Fan und Bürger sollte sich seine Meinungsbildungsgrundlage mittlerweile in überregionalen Tageszeitungen suchen. Die Hamburger Presse kannste vergessen! Meinung selber machen, lautet die Devise und so organisierte ein breites Bündnis der Stadtteilinitiativen mit dem Fanladen und dem Fanclubsprecherrat eine Veranstaltung die die Ballsaal-Resolution beschloss.

Diese Resolution zeigt politische Versäumnisse eindeutig auf. Tatsache ist doch, dass immer mehr Bewohner des Viertels die Bezirksversammlung aus gewählten Feierabendpolitikern nicht mehr ernst nehmen. Sie vertreten eben nicht mehr den Willen des Volkes, sprich des Bürgers und Bewohners. Sie agieren für ihre Interessen an Verknüpfungen mit Tourismusindustrie, Investorenpolitik, Baukonzernen, Eventfirmen und Marketingstrategen, damit alles schön vermarktet und ökonomisch abgemolken werden kann. Am Hafen, auf ‘m Kiez im Bezirk Mitte. All der Nerv und Nepp findet nun mal hier statt.

Dies beginnt bei Schneesprintevents der Autofirmen, die mal eben für ein Wochenende den gesamten Fischmarkt mietet und öffentlichen Raum für ihre Zwecke nutzen dürfen, um von Null auf Hundert zu beschleunigen, zieht sich wie eine mögliche Seilbahn der Stage Entertainment getarnt als „Bürgervergehen“ als Konzerninteresse über die Elbe bis hin zu krassen Immobilien-Deals, einstürzenden Altbauten, steigenden Mieten und Verdrängung alter sozial gewachsener Strukturen. Das alles im Namen, Brief und Segen der Bezirkspolitik, die stur so weiter agiert wie zuvor, als wäre in den letzten 10 Jahren nichts geschehen.

»Bambule Randale - Nur die Polizei!«

Kritiker dieser Entwicklung werden mundtot gemacht oder derart kriminalisiert und in die Ecke von Randale und Terrorismus gestellt. Demonstrationen werden in Sonderrechtszonen verboten uns schwups bekommt friedlicher Protestler Post vom LKA! Buh man könnt kotzen vor lauter Salz in der Suppe. Sehen wir uns die Zutaten genauer an:
> kriminalisierte Proteste,
> erfundene Polizeipressemitteilungen,
> als Hooligans denunzierte Fans,
> umstrittene Gefahrengebiete.

Der Topf brodelt um die Häuser, und das nicht erst seitdem die Bayerische Hausbau 2009 den Gebäudekomplex für ca. 18,9 Mio. Euro käuflich erworben hat. Tankstellenbetreiber und Vorbesitzerfamilie Schütze erwarb 1997 nach Langem hin und her das Haus von der Stadt für 4,8 Mio. Euro. Damals mit dem Argument, dass eine Renovierung und deren Finanzierung sich nur als Grundeigentümer lohne. Geschehen ist nix bis wenig, Miete wurde trotzdem kassiert. Mit dem Verkaufserlös von knappen 14 Mio. Euro in 12 Jahren plus die Gewinne aus einer „DER“ lukrativsten Tankstellen Deutschlands, kann man den Abschied als vergoldet bezeichnen. Das meiste Geld wurde wohl mit Chips und Bier anstatt Benzin und Waschstraße verdient. Das in Zeiten von Rezension und der Schließung vieler sozialer Einrichtungen auf dem Kiez. Böse Zungen behaupten, dass auch in diesem Fall die „Kult“-Karte um die Tanke nicht mehr zieht, verzockt! Ebenso wie der Bezirk nichts tat, ausser zu zugucken! Man kann darauf schwören, dass die Schützes im Neubau einen schicken Kiosk mit Verzehrecke aufmachen werden! Das mal so sicher wie, dass nach dem Winter der Frühling kommt!

»Werte die Bleiben!«

Meine Herren und Damen dieses Viertels, die neue Besitzerin dieser nunmehr dank Sanierungsstaus als Marode zu bezeichnenden Schrottbuden kommt aus München, heißt Frau A. Schörghuber, Besitzerin einer Unternehmensgruppe bestehend aus bayerischen Bierfirmen, Hotels, Beteiligungen, ect. Sie hat in den vergangenen 2 Jahren einen kleinen bescheidenen Gewinn von 1.400.000.000 in Worten Eins-Komma-Vier Milliarden Euro eingeheimst und gehört zu den 500 reichsten Deutschen. Die geistig arme Frau verbreitet dann noch ganz ungeniert ihr Firmen-Motto: „Werte die Bleiben!“

Je nachdem mit welchen Rechenbeispielen man dieses Neubauprojekt in Bester Lage durchrechnet, ergeben sich Eigenkapitalquoten von 3-12%. Der Skandal daran ist, dass selbst mit einem Drittel geförderten Wohnraum eine Bindung für Sozialen Wohnungsbau nur 15 Jahre gilt, so dass man das komplett neugebaute Ensemble ab dem Jahre 2030 mit maximalen Gewinn frei nach dem ökonomischen Prinzip wieder weiter an Hedgefonds veräußern kann! Danke Dir sozialer Wohnungsbau – sozialer Staat, der du die Reichen reicher machst. Buh. Buh Buh.

Was sagt Lemmy Kilmister dazu?

Eine Sache wäre dann auch noch interessant: Wenn denn, wie so oft behauptet, bei einem Schnulli Konzert der Soft Indie Popper von „Madsen“ schon angeblich die Wände gewackelt haben, was wäre erst passiert, hätte Lemmy Kilmister mit seinen Buddys Mikkey und WizzÖ von Motörhead zum Club-Gig im Molotow aufgespielt? Wäre das Ding wie ein Kartenhaus eingestürzt und hätte die Schütze-Tanke mit all den Benzinkanistern unter sich begraben, so dass die gesamte Reeperbahn ein echtes vorweihnachtliches katastrophales Gesamtadventsgefahrengebiet geworden wäre? Hätte eine kleinere Detonation auch das fast fertige Millerntorstadion mit weggefegt? Rotzemodus aus, mal im wieder im Ernst: Wenn das alles so gefährlich wäre (Gutachten sind immer noch nicht öffentlich!) wieso sind dann die Benzintanks der Tankstelle niemals Thema im Sinne einer öffentlichen Gefahr gewesen? Anstatt dieses Szenario zu betrachten, wurden dann die hooliganesken „Pauli Fans“ und Demonstranten für all das Schlimme und Böse durch das mediale „Popo-dorf“ in ein reales Irrsinngebiet getrieben, Pfui Spinne, es erwischt wie immer die Falschen. Schön auch hierzu der Kommentar eines freudetrunkenen stellvertretenden Landesvorsitzenden der fdp, der wo auch immer seine Freude generiert:

„Die Würfel sind gefallen! Die baufälligen ESSO-Häuser müssen weg und der Bezirk sollte alles dazu tun, dass dieser Schandfleck mitten im Herzen von St. Pauli schnell verschwindet“

Super gelacht Meister, wenn es nicht so traurig wäre, gut nur, dass die fdp sich schön selber abreißt. Oh Nee! Ich mag nicht mehr. Wann weht in dieser Stadt einmal wieder ein warmer, von sozialer und menschlicher Größe beseelter Wind. All ihr Protagonisten des großen politischen Hamburg, schaut euch einmal eure Bürger, Fans, Familien, Kinder, Eltern und Opas und Omas an, die sich für Flüchtlinge einsetzen! Die den obdachlosen Essobewohnern helfen, die im Herz etwas besitzen was ihr niemals verstehen könnt. Sankt Pauli lebt nur hier!

Sankt Pauli war und ist schon immer ein Stadtteil, der selbst gemacht werden will und den ihr nicht kaufen könnt. Mit keinem Geld der Welt. Sankt Pauli ist mehr als eine Zahlenkolonne im ökonomischen Spiel aus Immobiliengewinnen und Abmelkphantasien.

St. Pauli selber machen!

Danke an euch Alle, die ihr stets mithelft, dass Sankt Pauli nicht immer gleicher wird wie der Rest der Welt! Bleibt bitte alle Widerborstig und lasst euch nichts gefallen, denn es gibt ein richtiges Leben im Falschen Großen!

// JE
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