Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Ein kalter Wind im Viertel weht!

Subbuteo oder Barbarei

Neues von den Alten



Natürlich gibt es für den kultivierten Menschen nur diese einzige Möglichkeit, sich des Tischfußballs anzunehmen und sich ihm hinzugeben. Die Primitivität jenes Ego-Shooters, bei der man unschuldigen Metallmännchen auf den Kopf haut, um ihr Bein kniesehnenreflexartig vorschnellen zu lassen, muss er ebenso ablehnen wie den Versuch, Leierkasten, Billardtisch und veraltete WM-Taktik miteinander zu verschmelzen und die offensichtlichen Defizite dieses Verfahrens durch ruckartiges Drehen und Drücken, also ein allgemeines Rumgehampel lautstark zu überdecken.

Bei Subbuteo hingegen erleben wir die freie Entfaltung von zweimal elf Spielern auf Filz- und Kunststoffrasen begrenzt nur durch den taktischen Horizont und das manuelle Geschick des jeweiligen Spielers. Mancher mag dieses großartige Spiel noch aus Kindheits- und Jugendtagen in den 60ern bis 80ern kennen. Ich habe dieses in England erfundene Spiel erstmals als Neunjähriger auf einem Flohmarkt in Farmsen erspäht. Es folgten zahllose Spiele mit meinem Bruder, von denen nicht wenige in Spielabbrüchen mündeten, was – nach über 25 Jahren mag ich es zugeben – meist meinem überschäumendem Temperament geschuldet war. Man kann es auch sammeln, jede erdenkliche Textilkombination als Team kaufen und noch sehr viel Schnickschnack rundherum wie etwa Trainerbänke, funktionierende Flutlichtmasten sogar Tribünen mit Zuschauern, kurz eine eigene Miniaturwelt im H0-Maßstab.

„All I want for Christmas is a Dukla Prague away kit“

Für jene, die noch nicht das Vergnügen hatten, mit Subbuteo bekannt zu werden, seien kurz die Grundzüge erläutert. Das Spiel findet auf einem 120 x 80cm großem Feld statt, das in seiner Aufteilung einem Fußballfeld gleicht. Allerdings gibt es in der Mitte jeder Hälfte noch eine zusätzliche Linie, die den Schussraum kennzeichnet. Nur wenn der Ball dort liegt, darf ein Tor erzielt werden. Während der Torwart meist sein Dasein an einer beweglichen Stange im Fünfmeterraum fristet, sind die Feldspieler frei beweglich. Sie befinden sich bei den älteren Figuren auf einer unten abgeplatteten Halbkugel, neuere fußen hingegen auf einer abgerundeten Scheibe. Bewegt werden sie durch ein Schnippen mit dem Mittel- oder Zeigefinger. Dabei gilt es für den aktiven Spieler, den Ball zu treffen. Gelingt dies nicht, ist der Gegenspieler an der Reihe. Ein Zugverlust erfolgt auch dann, wenn vor dem Ball eine andere Figur getroffen wird oder der Ball nach dem Spielen einen Spieler des Gegners berührt. Keine Figur darf mehr als dreimal hintereinander den Ball spielen. Natürlich verkompliziert sich auch hier alles durch die Anwesenheit des Gegenspielers, denn dieser darf nach jeder Ballberührung, eine eigene Figur bewegen, um dem Angreifer das Leben möglichst schwer zu machen.

Wer ob meines obigen Geschwurbels nicht abgeschreckt wurde sondern vielmehr grübelt, wie er den Einstieg in dieses faszinierende Hobby beginnen soll, dem sei die Lösung verraten: Subbuteo St. Pauli (kurz SUSP, im Netz als www.subbuteostpauli.de per mail kontakt (at) subbuteostpauli (punkt) de)! Diese Gruppe trifft sich völlig zwanglos an jedem Dienstag um 20:00 im Fanladen und bolzt dort den Plastikball über den Kunstrasen. Meist sind so vier bis acht Personen anwesend. Jeder, der auch die Werte des FC St. Pauli verinnerlicht hat, ist willkommen und kann mal ausprobieren, wie es sich anfühlt, durch elegant schnippisch zu sein. Und man ist dort durchaus lieb gegenüber Neulingen, wie ich selber erfahren durfte. Meine beiden Gegner waren durchaus bemüht, mir etwas beizubringen und senkten ihr Spielniveau soweit, dass es sogar mir möglich war, in zwei Spielen eine Halbzeit ohne Gegentor zu überstehen und einen Torschuss zu verbuchen. Anfüttern nennt man das wohl.

SUSP: Vorbeikommen! Angucken! Ausprobieren! Mitmachen!

Bisher handelt es sich bei Subbuteo St. Pauli um eine informelle Gruppe, richtige Mitgliedsbeiträge gibt es nicht, wer möchte spendet Geld für die Anschaffung und den Bau von Feldern und Toren. Dabei muss es natürlich nicht bleiben. Denn sowohl die Aufnahme in den Deutschen Sporttischfußball Bund (DSTFB) und World Amateur Subbuteo Players Association (WASPA) sind Optionen. Vielleicht ja auch mal eine eigene Sparte im FC, wer weiß das schon? Aber natürlich wollen die Männer (Frauen sind leider bisher noch nicht mit von der Partie) von Subbuteo St. Pauli eigentlich nur spielen, so dass diese organisatorischen Planspielchen nicht wirklich von Bedeutung sind. Dafür gibt es ernsthafte Erwägungen im September einen Starters Cup auszurichten, der besonders Neulingen eine Chance böte, mal mit anderen Spielern zusammenzutreffen und das eigene Niveau zu testen. Nach Abschluss der Redaktion hatte Subbuteo St. Pauli übrigens Besuch vom St. Pauli Fanclub Athens South End Scum, da es dort auch einige engagierte Spieler gibt. Wie übrigens auch bei den Birmingham Boys in Brown, die bei ihrem Brownstock Festival zugunsten des Fanladens auch schon einmal ein Subbuteoturnier ausgerichtet hatten.

// Welf
< nach oben >