Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Museumsreif

Kein Millerntor dem DFB

St. Paulis U23: Ausblick und Rückblick

Neues von den Alten



Museumsreif

So lautet der Schriftzug auf einem der T-Shirts von 1910eV, der Verein im Umfeld des FC St. Pauli, der sich um den Aufbau eines Museums für den FC St. Pauli bemüht. Und sie haben die Probe gemeistert, sie sind nun nachweislich museumsreif!

Der Weg war nicht immer einfach: Die Diskussion um die Goliathwache und deren Verlegung aus den Räumlichkeiten der Gegengrade, die nun sich dem Ende zu nähern scheint, war sicherlich von allen die größte Hürde.

Auf dem Weg zum finalen Museum ist der Verein seit Jahren sehr umtriebig und hat mehrere Veranstaltungen gewuppt, um zu üben, um Spenden zu generieren und weils einfach Spaß macht. Neben etlichen kleinen Aktionen stachen besonders heraus: Die beiden Kessel Braun-Weißes (zusammen mit Fanräume e.V.), Fußball & Liebe im September 2013 und nun eröffnete am 25.07. die Ausstellung "Fuck You Freudenhaus" zum Millerntorstadion in genau den Räumlichkeiten der Gegengrade, die einmal das Vereinsmuseum werden könnten.

Museum? Langweilig! Pokale in Vitrinen.... denkt man so. Da wir wenig bis gar keine Pokale unser Eigen nennen, konnte es sich das Ausstellungsteam nicht so leicht machen. Zusammen mit der durch den St.Pauli-Idealisten Carsten Hepke geführten Eventkonzeptionsfirma bontempo, die schon bei Fußball & Liebe unentgeltlich Sensationelles geleistet hat, haben die Macher hier eine wirklich treffende und gleichsam unterhaltsame Ausstellung hingelegt. Einlauf zu Hells Bells durch den Spielertunnel, Rübenacker, Schneegestöber und fehlende Drainage zum anfassen. Etliche Stadionmodelle, die nie gebaut wurden. Archetypische Papp-Fans mit der Guido-Schröter-Nase, die Stadionordnung als größtes Heiligtum, Politik in Stadion und Stadtteil, ein Film zur Verankerung des Stadions im Viddel, Viva con Agua und Kita, Stadionbau im Zeitraffer von Jo Bornemann und seltene Einblicke in Haupttribünen-Separée-Konzerte, die immer Spieltags stattfinden, in den Räumlichkeiten des Separée 31 von Frank Otto.

Nach Hobby und ehrenamtlich sieht da nix aus, eher nach professionell und akribisch. Natürlich wird immer diskutiert werden können, was da vielleicht fehlt, aber die Räumlichkeiten sind so groß, wie sie eben sind und die Leute arbeiten eben in ihrer Freizeit für Umme.

Man bekommt Lust auf das fertige Museum und wer noch nicht da war: bis 30.08. kann man noch hin und besuchen. Die Spieler unserer ersten Herren waren auch da, wie man auf den umliegenden Ablichtungen von Rakete erkennen kann.

Am 25.07. zur Saisoneröffnung war die große Vernissage und die Besucher strömten in Massen. Nun war am nächsten Tag das Saisoneröffnungsspiel gegen Celtic Glasgow und naturgemäß der Stadtteil voller Schotten. Scheinbar folgerichtig bot sich ein Plenum des Zeckensalon im Fanladen zur Bedeutung ausländischer Fans und ein Konzert der schottischen Combo The Wakes im Fansaal an.

Ich persönlich fand es etwas schade, dass die Celtic-Wucht die Millerntor-Ausstellungsthematik zum Ende hin schon ziemlich überstrahlte. Bei den Veranstaltungen dominierte sehr deutlich grün-weiß gegenüber braun-weiß. Dagegen ist nichts einzuwenden, aber es ist halt ein ganz anderes Thema. Nach dem letzten Akkord der Wakes war der Fansaal quasi leer, weil die Schotten vermutlich feiern gehen wollten. Die nicht celtic-affinen St.Paulianer (zu denen ich übrigens auch gehöre) waren schon längst weg.

Und eine weitere Beobachtung erfüllte mich mit ein wenig Sorge. Die Kollegen von 1910eV sahen überwiegend echt platt aus. Die Ausstellung lässt erahnen, wieviel Arbeit und Stress dort drin steckte. Mir schien, dass der sich ausgerechnet zur Eröffnung in Erschöpfung niederschlug. Viele aus dem Kernteam waren schnell weg oder gar nicht erst erschienen, anstatt doch ihre eigene Ausstellung und deren Eröffnung zu genießen und sich selber zu feiern. Liebe Freunde des 1910eV, Ihr leistet so tolle Arbeit. Vergesst Euch selber nicht dabei und habt vor allem eines: Spaß!

Denn eigentlich geht es doch nur um eben diesen. Vielen Dank für eine wunderbare Ausstellung!

// Mirco

www.millerntor-ausstellung.de

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