Aus dieser Ausgabe:

Uwe

Vorwort

"Und warum dafür 5 Seiten?" Interview mit Sven Brux

Warum fürht der Repressionsapparat seine Übungen eigentlich an Fußballfans durch?

„Ich wurde ins kalte Wasser geworfen“ Rainer Wulff zur Veröffentlichung des Hörbuchs „Vom Runden ins Eckige“

St. Pauli at its best!

Neues von den Alten



St. Pauli at its best!

Vom Möglichen und Notwendigen, von Zeitlichkeit
und dem Griff nach den Sternen.
Die einzige Möglichkeit St. Pauli ist!

„Nicht fehlt es am Einwand gegen das was hilft/So leben wir im Gruselkabinett der Ängste/Doch leichter ist es, dieses auszuhalten/Als was uns bringt das dunkle Unbekannte/Nicht die Probleme sind’s, die uns belasten/Sondern sie aufzulösen ist die Mühe/So irren wir umher und üben guten Vorsatz statt zu handeln – verfehlen die Tat/Das Feld bleibt Jungfrau ohne Saat – wir leiden/Wir leben und wir sterben wie die Alten/Tun schuldlos uns an ihre Sünden halten/Doch wer sich nimmt und ganz sich nimmt/Der stellt sich auf den Platz, der ihm gebührt!“

Liebe Leserinnen und Leser, liebe St. Pauli-Fangemeinde, liebe Mitbewohner dieses Fleckchens Erde, liebe Kosmopoliten. Dass der Stadtteil St. Pauli, der diesen Namen erst seit weniger als 200 Jahren inne hat, kaum zu fassen ist, deutet sich schon in der Tatsache an, in der Woche recht beschaulich daherzukommen und spätestens zum Wochenausgang hin überzuborden – in all seiner Konsequenz. Wer sich darauf einlässt und die Momentaufnahme zu verlassen versucht ist, findet sich in der Zeit wieder, will sie/er wenigstens ansatzweise verstehen, was es bedeutet, St. Paulianer zu sein. Und damit ist zuvorderst das Anteilnehmen am Leben hier gemeint, in dessen Horizont sich selbstredend auch der FC bewegt.

"St. Pauli war früh schon auserkoren,
eigene Wege zu gehen"

Um St. Pauli auf die Spur zu kommen, ist ein Blick zurück vonnöten, denn so erfährt der Ausspruch „St. Pauli ist die einzige Möglichkeit“ erst Leben, der in der widerständigen Zeit unseres geliebten Fußballclubs Flügel gewann, sprich sich irgendwann an einer Hauswand in diesem Quartier wiederfand (Oz, warst Du es? R. I. P.!). Die Strahlkraft, die sich hinter diesem plakativen Statement verbirgt, kann gar nicht genug hervorgehoben werden, besagt sie doch nichts anderes, als dass dieser Mikrokosmos aufzeigt, wie es im großen Ganzen laufen kann UND sollte, will man Leben schöpfen und nicht zerstören. Zugegeben, man muss eine gesunde Portion Naivität gepaart mit utopischer Vorstellungskraft aufbringen, um sich darin zu Hause zu fühlen. Meine Wenigkeit, die hier wohnt, tut es, genießt die Freiheit und das Miteinander, welche dieser Verbund von Menschen, Kulturen, Vorstellungen und Relativitäten möglich macht. Sicher, gerade am Wochenende nehmen Stadtteil und Ortsansässige die Last auf, die tausendfach hier abgeladen wird, bewegt sich Vieles in einem schwer erträglichen Rahmen. Und damit ist nicht nur Müll gemeint (Stadtreinigung, meiner einer weiß das zu schätzen, was du hier immer wieder für Wunder vollbringst), den Viele hier zurücklassen, sondern im metaphysischen Sinne auch die Sorgenlast, die mehr oder weniger drückt und die sich für einen Moment der Schwerelosigkeit scheinbar hier aufzulösen vermag. Das mag schicksalshaft mit diesem Areal verbunden zu sein. Denn lange bevor der Apostel Paulus nicht nur der Kirche am Pinnasberg seinen Namen verlieh, war St. Pauli quasi dazu auserkoren, eigene Wege zu gehen, befand man sich doch vor den Toren der bürgerlichen Hansestadt Hamburg, in der nicht jedermann willkommen war, hatte er das nötige Kleingeld nicht in der Tasche, um dort Fuß zu fassen. So stand der Korridor hinterm Millerntor all denen offen, die in ihrer Gemeinsamkeit wenig hatten und erst mal auch nicht viel brauchten. Nach Westen hin ging es im benachbarten und lange dänisch geprägten Altona schon toleranter zu, zeugt gerade die Straße Große Freiheit von der Großzügigkeit Altonas gegenüber zunftlosen Gewerbetreibenden und Konfessionen, die ebenso in der nahen Hansestadt unerwünscht waren. Das ist heute für mich, der eigentlich aus dem Rheinland kommt und hier über Umwege angekommen ist, mit Grund dafür zu sagen, ich bin St. Paulianer und nicht Hamburger. In Einbezug dieser Rückbetrachtung kann mich Hamburg nämlich mal, auch wenn St. Pauli längst Teil der Hansestadt ist.

“Nicht zuletzt ist es auch der Erfolg des widerständigen Geistes der alternativen Szene der 80er Jahre, der durch die Hafenstraße wehte."

So ist es also kaum verwunderlich, dass hauptsächlich Menschen ihren Weg nach St. Pauli fanden, deren Ansehen woanders gering geschätzt wurde. Und darin lag und liegt die große (unausgesprochene) Einigkeit der Leute, die hier ihr Zuhause fanden und noch finden werden oder sich nur auf der Durchreise als Was-auch-immer befanden/befinden. Die Zeit, die das schon dauert, zeugt im Keim von Zeitlosigkeit, ja Ewigkeit. Das sollte nie vergessen werden als Hinweis auf die oben erwähnte Möglichkeit, gerade im Hinblick auf wahre Gleichheit und Stände-, ja Klassenlosigkeit. Für mich ist gerade DAS das Privileg, warum ich hier sein kann. Ansonsten gebe ich wenig auf Privilegien und vermeintlich Privilegierte!

Wenn man das also als Basis nimmt, kann der Spagat inmitten eines mehr und mehr unwirtlichen Geschäfts gewagt und in seiner Gänze geschafft werden. Man muss es so deutlich sagen: Viel Gutes ist bei unserem Verein auf den Weg gebracht worden, viel ist von dem eben beschriebenen beim FC St. Pauli zuhause, was nicht zuletzt auch der Erfolg des widerständigen Geistes ist, der inmitten der bunten alternativen Szene der 80er Jahre durch die Hafenstraße wehte, irgendwann einen relativ bürgerlichen Verein veredelte und nun leibhaftig angekommen ist. Im Präsidium des FC St. Pauli. Nur so kann ich den Weg durch die Institutionen verstehen, was sicherlich Viele so teilen, die Fan dieses Vereins geworden sind. Und nun gilt es, das in Stein zu meißeln, gilt es, den Garten mit dem zu bewirtschaften, was unser ist, was uns ausmacht und dennoch nicht außer Acht lässt, dass auch dieser Verein Teil eines Höheren ist und der diese unbequeme Wahrheit, die Leben anstatt Verderben, Zerstörung, ja Tod und Endlichkeit stiftet, auf seiner Fahne in die Welt trägt, mal rebellisch und unbequem, aber immer ehrlich, authentisch und niemals sich selbst überhöhend. Die Seele, am Millerntor beheimatet, lässt sich zuvorderst nur organisch erspüren, ist in keinem Geldspeicher zu Hause. Das mag dem ein oder anderen als rhetorischer Kunstgriff in Abstraktion abzugleiten. Doch denke ich, dass in Worte gewandelte Bilder in ihrer Wirkmächtigkeit den Menschen am ehesten in seinem Wesen berühren und diese eine Sprache sprechen, die auch ohne den Sinn des eigentlichen Sehens auskommt. Ein Mensch ohne Augenlicht wird bei der Vorstellung eines blühenden Gartens und mit der Zuhilfenahme seiner anderen ausgeprägten Sinne womöglich noch intensiver von Gefühlen der fortwährenden Erneuerung und Vitalität gepackt. Muss man denn sehen können, um ein Verständnis der Schönheit des Lebendigen zu entwickeln?
Schnitt (wir werden auf den Garten in seiner Vielfältigkeit zurückkommen, auf die zu verrichtende Arbeit, auf die Pflege des Vorhandenen, auf das Saatgut, den Samen, der alles in sich trägt, doch der nur recht gedeihen kann, wenn der Boden gut ist).

“Der Roar kommt einem Schmelztiegel gleich,
da in der Hitze des Geschehens alles in Rauch aufgeht, was trennend wirkt.“

Heute ist Heimspieltag. Und nichts ist so gut wie der Tag des Spieles, um mit einer Analyse des Bestehenden zu beginnen und die Ganzheit in Ansätzen zu beschreiben. In allen Ecken naher Stadt- und Landstriche und weit darüber hinaus regt sich etwas. Es schmeißt sich Mensch in Schale und sagt sich los von dem, was ihn unmittelbar umgibt. Und so entsteht ein sternenartiges Strömen, das sich mit zunehmender Nähe zum Ersehnten verdichtet und Strahlkraft besitzt. Der Pfiff ertönt, der Ball rollt. Jeder, der beginnt, ans Millerntor zu pilgern, wird ihn irgendwann erleben – den Roar. Dieser vielbeschriebene und vielbeschworene Moment, den herbeizuführen nur die Eigenart eines Spieles vermag – man könnte Vorzeichen wie Flutlichtspiel oder eine besondere Konstellation wie klein gegen groß im Pokal nennen und hätte ihn dann womöglich doch nicht erlebt, weil eben das Spiel den Roar erst erwachsen lässt -, dieser Moment kommt einem Schmelztiegel gleich, da in der Hitze des Geschehens alles in Rauch aufgeht, was trennend wirkt: Name, Geschlecht, Rang, Reputation, etc. pp., all das verflüchtigt sich, ist der Reinheit abträglich. Und dieser Moment beschreibt nichts anderes als die Einheitserfahrung, von der Mystiker unterschiedlicher religiöser Herkunft Bericht zeugen. In diesem Augenblick des Seins bewahrheitet sich die absolute Annahme, Eins zu sein, nicht getrennt, nicht zwiegespalten. All das nicht zu sein, was einem das menschliche Leben in seiner bipolaren Ausrichtung aufgibt und sich unser Ich darum konstituiert. Die Mystiker sprechen im allgemeinen von einer ausgesprochenen Verbundenheit zur absoluten Wirklichkeit, dem Einen, das auch wir in uns tragen, das aber im Menschen mittels der realen Begebenheiten Verschleierung erfährt, und für das, je nach religiöser Schau, verschiedenste Begrifflichkeiten gefunden wurden: der nicht-duale Geist der Buddha-Natur, die Gottesschau, der Urgrund des Daseins, die Einheit von Atman und Brahman, Erleben des Ewigen in der Befreiung des göttlichen Urlichtes, um nur einige zu nennen. Sicherlich, ausgesprochene Rationalisten verneinen diesen Hintergrund menschlicher Vorstellung und verbannen diesen in das Reich der Einbildung und sagen, dass dem Menschen halt wohlbefindlicher ist, wenn sich da noch was befindet, wo unser Bewusstsein die Segel streichen muss. Geht diesen Seelen nicht der Segen, das Heil und die Gnade ab, in diesen kostbaren Schätzen des in die bewusste Welt Gekommenen das zu finden, was uns ausmacht und Einbettung in dieses große Ganze, ja Kosmische gibt? Und sind die ins Felde geführten Argumente nicht unzureichend, konstruiert und anmaßend ggü. einer absoluten Annahme? Es fällt schwer, den Dialog offen, rein und fair zu halten, doch er sollte immer wieder versucht werden. Denn schlussendlich fällt auf, dass auch die ausgefeilte Ratio ins Reich des Glaubens greift, ja greifen muss. Und muss man weitere Glaubensrichtungen schaffen, wenn es so schon schwer fällt, den Überblick zu behalten, den ich, zugegebenermaßen, neben dem „Erkenne-Dich-Selbst“ als wichtigsten Auftrag im Menschenleben empfinde, um so gerecht zu werden (oder sich der Vorstellung von Vollkommenheit wenigstens zu nähern im Laufe eines Seins)? Und wenn das Bild in seiner Gänze Beschreibung gefunden hat, bleibt es nicht doch nur eine Momentaufnahme, die vorläufig nichts von Zeit und Raum beschreibt, in der sie fest gehalten wurde?

“Ist der Mystiker in seiner meditativ kontemplativen „Arbeit“ dem Höchsten auf der Spur, ist der Roar ein Hohes. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.“

Wie dem auch sei, zurück zum Thema. Hin und wieder muss man vorsichtig sein, will man nicht als Spinner gelten, den keiner mehr versteht. Und das, glaube ich, erlebt an dieser Stelle die ein oder andere Leserin/der ein oder andere Leser und man fragt sich, was will der uns eigentlich vertellen?! Und ganz ehrlich, eine Vorstellung davon habe ich zwar, nur weiß ich (noch) nicht, ob ich es schaffe oder scheitere. Aber egal, Versuch macht klug. Zurück zum Erleben des Roars, des Verschmelzungsritus, in dem sich die „St. Pauli, St. Pauli“-Rufe in einem immensen Getöse auflösen, und in dessen Klangwelle die Mannschaft angespornt über den Rasen fegt. An diesem Punkt gilt es inne zu halten, weil für die weitere Analyse deutlich werden muss, das die Einheitserfahrung vom Mystiker und die des Tosen tausender sich überschlagender Kehlen unterschiedlichen Stellenwert genießt. Versucht der Mystiker das Einssein auf ein Absolutes hin, einer Erleuchtungserfahrung gleich, meist durch einen stillen Akt des Sich-Herausnehmens aus aktiver Anteilnahme am geschäftigen Leben zu schaffen (Meditation, Kontemplation, Yoga, Gebet, etc.), kommt die sich kundtuende Liebe, die alle St. Paulianer zum Spiel ihrer Mannschaft eint und die sich im Roar offenbart, laut daher. Sehr laut. UND sie hat einen relativen Charakter! Ist der Mystiker in seiner meditativ kontemplativen „Arbeit“ dem Höchsten auf der Spur, ist der Roar ein Hohes. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. In ihm sind wir eins, haben wir all die Kontroversen, das Trennende, hinter uns gelassen. Anlass genug, was er uns als Denkaufgabe mit auf den Weg gibt, wenn es gilt, den Verein hin auf das Wesentliche auszurichten, ja um ihm ein Gesicht zu verleihen, das in seiner Kollektivität erkannt und geschätzt wird und sich nicht im monetär Machbaren niederschlägt sondern in der Einbettung in einer Welt, in der die Wertschätzung aller als Maxime gelten muss. Denn was St. Pauli (ob Stadtteil oder Verein) ist, hat nichts damit zu tun, was einer hat sondern was allgemein im Leben zählt und im Besonderen von diesem Fleckchen Erde erzählt. Und sind das nicht Solidarität, Verbundenheit, Kontinuität und ein Gemeinwesen, das sich einer gemeinsam erstrittenen Philosophie (oder einer „Idee“ wie ein ehemaliger Fanbeauftragter es mir nannte) unterzuordnen versteht? Und die sich genau hier verortet, weil sie gut ist, weil sie St. Pauli nicht nur sehr nahe kommt, nein diese die Menschen auch verstehen und auf der Zunge tragen? Kann ein Fan es noch fassen und willkommen heißen, wenn sich der Erfolg nur noch über das Kapital definiert und dabei alles auf der Strecke bleibt, was ihm lieb war? Um es frei nach Matthäus 6, 24 zu sagen (ist jetzt kein Zitat von Lothar), kann man nicht zweierlei dienen - dem Geld und einem höheren Anliegen. Es ist der oben genannte Boden, auf dem alles fruchten kann, findet er gute Bereitung. Und „Erstritten“ getreu der Liedzeile von Bots „...dann müssen wir streiten, keiner weiß wie lang, ja für ein Leben ohne Zwang...“ sollte hier durchaus positiv verstanden werden. Denn wenn der Streitpunkt die Sache betrifft, die es lebendig zu halten und herauszuarbeiten gilt, dann ist dem gemeinsamen Geist Vorschub geleistet. Und wenn wir es schaffen, den offenkundigen Streit so zu kultivieren, dass sich Berührungsängste auflösen, ist schon viel geschaffen, viel Verständnis füreinander entwickelt worden, das in einem gemeinsam erarbeiteten Konsens sogar noch gipfeln kann, den wir dann gestärkt nach außen tragen können. Arbeiten wir uns aber aneinander ab und verlieren den eigentlichen Fokus für das Zuschaffende, verstricken wir uns unwiderruflich in ein egozentrisches Machwerk, an dessen Ende wir auseinanderfallen und nichts in der Hand halten außer unserem dadurch noch mehr zerrütteten Selbstbildnis. Der aufgelöste Vereinscharakter des HSV lässt grüßen!

„Die Beziehung ist Basis für die erfolgreiche
Umsetzung etwas Lebendigem.“

Nochmalig zurück zum Spiel und dem Hohelied des Roars. Auch wenn wir unserem Urgrund, die spielende Mannschaft, mit der sich verschmelzenden Anfeuerung huldigen und zum nötigen Achtungserfolg verhelfen wollen, kann das Spiel nur laufen, weil da noch jemand ist. Ein anderes Team! Das mag jetzt eine Binsenweisheit sein, aber vielleicht schaffe ich es ja, die Wegstrecke mit eben solchen zu füllen, um das vorläufige Ziel dieser romantischen Reise im Weg schon zu beschreiben. Zwei sind also nötig, damit das Spiel vonstattengehen kann. Diese Beziehung ist Basis für die erfolgreiche Umsetzung etwas Lebendigem. Was nun aufgehen sollte, ist zum einen, dass der Roar immer wieder möglich ist, dieser mystische Moment des Einsseins, er sich aber wiederfinden muss in der Relativität des Lebens. Wenn das andere nicht mehr ist/nicht mehr sein kann, ist man selber auch nichts mehr. Im identitätsstiftenden Sinne hat man an vollem Wert verloren, weil nichts mehr da ist, was einem diesen Wert, die Möglichkeit des relativen Einsseins, bestätigt. Und das betrifft den Austausch generell – ob im Vereinsleben oder darüber hinaus.

Wie oben angedeutet, bewegen wir uns in einem höchst religiösen Rahmen, denn in der eigentlichen Bedeutung des Wortes religio wird uns nur vermittelt, dass wir uns rückzubinden wissen, ja Rückbetrachtung Bestandteil unseres Lebens ist, weil wir eben Menschen sind (in all seiner bewussten Konsequenz). Reflektieren wir über die Frage, warum wir diesen Verein ins Herz geschlossen haben, finden wir selbstredend Gründe dafür. Und so gründen wir.

„Es ist die exemplarische Verständnislosigkeit, die mangelnde Empathie füreinander, die unnötige Gräben aufreißt und deren Aufarbeitung Kräfte aufzehrt, welche woanders gut gebraucht werden könnten.“

Obwohl die Liebe zum Verein und die Liturgie (also die Ordnung und die Gesamtheit der Zeremonien und Riten) am Spieltag im Wesen an einen Gottesdienst erinnern – Zusammenkommen in einem „Tempel“, huldigende Gesänge, Anbetung, eigene Symbolik und Zeigen dieser, etc. -, sollte man Gewahr darüber sein, die Relationen nicht aus den Augen zu verlieren. Und ich zweifele nicht, dass die meisten Gestandenen dies auch tun, also die Dinge ausgewogen betrachten. Es sind eher die jungen Wilden, zu denen man ebenso mal gehörte (das sollte nicht vergessen werden), deren Sicht auf die Dinge, naturgemäß, noch unbedarfter als die eigene ist und die schneller übers Ziel hinaus schießen, weil sie es eben, Kraft ihrer Zeit, können, und doch häufig mit Unverständnis der Alten konfrontiert sind. Es ist die exemplarische Verständnislosigkeit, die mangelnde Empathie füreinander, die unnötige Gräben aufreißt und deren Aufarbeitung Kräfte aufzehrt, welche woanders gut gebraucht werden könnten. Und es muss die Frage erlaubt sein, ob nicht wir, die Alten, zu aller Erst diesen Verständnisvorschub leisten sollten, weil wir es eben aufgrund unserer Lebenserfahrungen und gewachsenen Weisheit können, möge man meinen. Und immer muss man hinter dem Handeln Motive annehmen, warum es so gekommen ist. Doch die etablierte Hand erkennt das häufig nicht und sanktioniert. Es sind wiederkehrende Mahnungen, der sprichwörtliche Zeigefinger, bis hin zu strafrechtlichen Konsequenzen. Ja, es ist gelebte Lieblosigkeit, mit der jungen Menschen und ihrer Sache begegnet wird (Stichwort Bengalos im Stadion, ein unausgegorener Sachverhalt mit hochemotionalem Anstrich, der uns noch beschäftigen wird und der auch hier wieder zweierlei Potential bereithält: Verbindendes oder Trennendes). Der Fluss versiegt, und in der Zeit kann, nein wird das erheblichen Schaden anrichten. Dessen sollten wir uns immer und immer wieder bewusst sein – im Akt der wiederkehrenden (Selbst-)Reflexion. Daran werden wir gemessen, bis zum irdisch Tod. Wie also können wir vermitteln, so dass der Ewigkeit im Leben kein Abbruch getan wird? Die Frage war schon immer da, seid es Menschen gibt. Und nur wenn wir uns vorderst schützend vor die jungen Wilden stellen, Verständnis aufbringen und doch die Konsequenzen maßlosen Handelns vermitteln können, geschieht das Wunderbare. Es ist der Dialog auf Augenhöhe, das Zuhören, was den anderen bewegt, was das Eis bricht. Dann werden wir Alten angenommen, und das gemeinsam Erarbeitete reitet in die (Fußball-)Landschaft vor. Im Gepäck ein Angebot und Überzeugungskraft. Frei von eitler Bewegtheit. Es ist doch ein großes Heil, den kommenden Generationen zu vermitteln, dass sie Teil eines wundervollen Sinnzusammenhangs sind, der aber nur dadurch Lebendigkeit erfährt, wenn es dem Einzelnen, der das Ganze mitgestaltet, gut ergeht. Das ist die größte Aufgabe und Herausforderung, die sich der Mensch im 21. Jahrhundert, hier auf St. Pauli und auch sonst wo, verschreiben kann und sollte! Und dabei gilt es, sich auch rückzubinden, zu schauen, was speist diesen Lebensfluss und was gräbt ihn ab. Es ist mitunter nicht einfach, zerstörerische Kräfte auszumachen in diesem Wirrwarr von Meinungen und Vorhaltungen, und wir drohen, immer wieder zu fallen. Doch wenn wir darauf vertrauen, dass unser Dazutun den Sinn des Lebens stärkt, wird klarer, welche Maxime diesem Handeln zu Grunde liegt: Man muss wenigstens nach Gold gegriffen haben, um Silber zu erlangen, oder wie sagte es mein charismatischer, ehemaliger Redaktionskollege, der mich jüngst zu diesem Artikel ermutigte, der unermüdlich über den Verein Bericht erstattet und seine sich mehrende Lebenserfahrung in weiser Ausgewogenheit einbringt (wie so viele in ihrer unnachahmlichen Art und Weise): Der „Utopia“ ein Stückweit entgegen segeln - auf dem Likedeeler-Flaggschiff FC St. Pauli (siehe Übersteiger-Blog vom dritten November). Weil wir es können, weil die Sache viel zu wichtig, ja weil sie gut und gerecht ist. Dennoch muss betont werden, dass ein Fußballverein kein Absolutes darstellt, dass der Einzelne eine ordentliche Bauchlandung hinlegt, wenn er etwas über alles andere stellt, was nur relativen Charakter hat, und er im Extrem der Umwelt mit enormer Gewalt begegnet. Und genau da müssen wir Alten ebenso ansetzen.

„Was ist gut und gerecht und nachvollziehbar?
Und ist eine Transparenz geboten, die von innen
nach außen strahlt.“

Ein paar Punkte sollen nun genannt werden, ja kurz herausgearbeitet sein, um der Möglichkeit der Auseinandersetzung, was eigentlich für uns von Bedeutung sein könnte, Genüge zu tragen. Dabei gilt es zu schauen, was in vielfältiger Art und Weise auf den Weg gebracht wurde. Es ist so viel, dass man mir verzeihen möge, das mit Allgemeinplätzen zu belegen und sich dem zu widmen, was meines Erachtens mehr in den Fokus gerückt werden müsste. Eine Bestandsaufnahme könnte im Rahmen einer größer angelegten Kampagne Erarbeitung finden, bevor man sich ans Ausgemachte heran pirscht. Je nach dem, was in einer Vereinsstruktur überhaupt möglich und umsetzbar ist. Man muss gewillt sein. In sozialer, ökonomischer und ökologischer Hinsicht sind Wege beschritten worden, die dem oben umschriebenen Geist, der St. Pauli umweht, und der sich im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung in die Ansprüche unserer Zeit einfügt, schon gerecht wird. Nichtsdestotrotz gilt es zu schleifen und zu polieren, will man nicht nur bestehen sondern leuchten.

Ein Thema brennt schon seit längerer Zeit unter den Nägeln und betrifft das Arbeitsentgelt aller Angestellten des Vereines, Spieler eingeschlossen, betrifft also die soziale aber auch die ökonomische Ausrichtung. Wie wird mit dem erwirtschafteten Geld umgegangen, sprich wie sind seine Flüsse? Was ist gut und gerecht und nachvollziehbar? Und ist eine Transparenz geboten, die von innen nach außen strahlt?

Also: Um sich dem Thema Geld zu nähern, fällt mir der Auftritt Uli Hoeneß bei Günther Jauch ein, gar nicht so lange bevor seine Steuerhinterziehung ans Licht der Welt kam und die etwas aufleuchten ließ: Scheinheiligkeit. Mit von der Partie war Sahra Wagenknecht, Die Linke. Anfangs alles gut. Uli bezieht Stellung für den kleinen Mann, erzählt von seinem Aufstieg, etc. Dann geht es um Managergehälter, was wohl auch Thema der Sendung war, soweit ich mich erinnere. Sahra Wagenknecht erwähnt den Vorschlag, Managergehälter innerhalb einer Unternehmung auf das Fünffache der Entlohnung der Personen zu begrenzen, deren Jahreseinkommen am Niedrigsten ist. Hoeneß läuft, wie man es kennt, rot an und ihm platzt der Kragen. Und warum geschieht das? Weil er in sich verkracht ist? Ist naheliegend. Wie so häufig, wenn sich jemand wie Beelzebub gebärdet. Vorher eigentlich in der Sache mit Sahra Wagenknecht vereint, aber nun geht es ja im übertragenden Sinne um seine Abermillionen, geht er zum Angriff über und wird persönlich. Inhaltlich etwa: Das wäre ja eine Katastrophe, dann würden alle Manager Deutschland den Rücken kehren, wie stehe man denn da und es ist gut, dass so eine Partei wie die Linke so wenig das Sagen hat. Das muss man dem Uli lassen. Die Fragen zu stellen, wo man dann stünde und welche Bedeutung, ja Strahlkraft das hätte, sind genau die Ausgangsfragen, die auch wir uns beim FC St. Pauli stellen sollten. Und eine weitere Frage muss sein: Wie viel braucht ein Mensch zum Leben? Es wird klar, dass ich mich in meinem Anliegen bei Sahra Wagenknecht wieder finde und dass mir Scheinheiligkeit abgeht, man sich freilich im reflektorischen Sinne selbst immer wieder hinterfragen muss, wo Heiligkeit im Scheine untergeht. Machen wir doch mal eine Rechnung. Ein Angestellter des Vereins hat 30.000 Euro im Jahr. Damit lebt er zwar über dem Existenzminimum aber nicht weit davon entfernt. Er kann damit leben, stellt bescheidene Ansprüche ans Leben. Hauptsache es gibt was auf den Tisch und hin und wieder kommt man auch mal raus. Alles in seinen erdachten und gewollten Maßstäben. Jemand nun, Spieler oder Manager, bekommt demnach 150.000 Euro im Jahr. Ist das nun wenig oder viel, und was lässt sich damit machen? Klar, im Vergleich von Spieler- oder Managergehältern gesehen, wird das eher Peanuts sein. Aber ist das tatsächlich wenig? Ausgangsfrage war, wie viel ein Mensch zum Leben braucht. Es wird gerne argumentiert, dass ein Spieler zum Beispiel nur eine kurze Zeit hat, in dem er mal so richtig in die Vollen gehen kann und er ja was braucht, für die Zeit nach der Karriere. Bei Managern ist die Sachlage noch belastender, denn da fällt man scheinbar immer wieder auf die Füße, ja wird für hinterlassene Misswirtschaft noch fürstlich abgefunden. Das geht mir, ehrlich gesagt, nicht ein. Denn besteht für den Spieler nicht die Möglichkeit, auch nach der Karriere als Fußballer einen Weg zu beschreiten, der ihm Einkommen also Sicherheit bringt? Und wie viel braucht ein Mensch eigentlich zum Leben? Worauf will ich hinaus? Ich persönlich finde es nicht verwerflich, wie die Linke es tut, einen gewissen Rahmen zu setzen, in denen sich Gehälter bewegen. Es wird uns nicht nur gerecht, im Sinne des oben skizzierten St. Pauli, nein es schafft auch etwas: Glaubwürdigkeit. In einer vom Kapital haltlos beeinflussten Welt. Mit Mentalitäten wie Gier, Neid, Hass und Eifersucht. Oberflächlichkeit und Diskontinuität. Ganz ehrlich, der erste hat eben gedacht, dann können wir einpacken und finden uns in der Oberliga wieder, sprich neben Spielern laufen uns die Führungskräfte weg. Wie Uli. Aber: Ist dem so? Und was wollen wir? Ich persönlich finde es, gelinde gesagt, zum Kotzen, wenn sich vordergründig am Monetären orientiert wird. Nochmals: Wie viel braucht ein Mensch zum Leben? Spieler und Manager sollen gut bezahlt werden, ja, aber zu welchem Preis? Was ist da vertretbar? Um uns gerecht zu werden, in unseren Grundsätzen, könnte es da nicht heißen: Wenn Dir das nicht reicht, dann passt das hier nicht hin. Weil eine wesentliche Lektion nicht verstanden wurde. Und erneut höre ich jemanden sagen, dann finden wir uns bald in Liga vier bis sechs wieder. Ich glaube tatsächlich, dem ist nicht so. Vielmehr denke ich, dass wir Spielerpersönlichkeiten bekommen und auch ausbilden werden, die wissen, was es bedeutet, sich hier einzufinden und für was Höheres zu arbeiten. Klar, es mag idealistisch anmuten, aber hat man das je öffentlich und transparent besprochen und ausprobiert? Wissen wir es, ob es fruchten kann, weil der Boden gut ist? Diese 30.000 und 150.000 waren nur ein Beispiel. Lass es das Zehnfache sein (inklusive der Dynamik von Gehaltsentwicklung und Inflationsrate, aber einen gewissen Rahmen nicht sprengend), um im Wechselspiel des Marktes mit zu halten. Aber ein wie-viel-fach tut noch gut, sind wir?

“Die Krise war taghell da, und es gaben sich viele die Klinke in die Hand, bevor man endlich wieder Profil gewann.“

Genau das Gleiche also auch auf Ebene des administrativen/funktionellen Bereichs. Warum bewegt man sich nicht transparent und öffentlich, so dass jeder weiß, woran sie/er ist? Meiner bescheidenen Meinung nach sollten wir offengelegte Gehaltsstrukturen haben, ähnlich wie im öffentlichen Dienst. Keine stillgetroffenen Gehaltsvereinbarungen zu Beginn eines Arbeitsverhältnisses sondern eine klare Lohnlinie (auch bei den Spielern) mit Aufstieg nach gewissen Kriterien. Bindend für Arbeitnehmer und leitende Angestellte. Was das schafft, brauche ich wohl nicht groß zu erklären, oder? Und was vermieden wird? Stichworte: unnötige Geheimniskrämerei, Neid und Missgunst, etc. Und genauso wieder: Wem das zu wenig ist, gehört er dann hierher? Soll die Schere auch bei unserem FC St. Pauli auseinander gehen?

Nächstes Thema und das greift wieder in den Spielbetrieb, ja ins Sportliche. Da hilft eine Rückbetrachtung. Was hatten wir für ein Team, als wir „Absteiger Nummer 1“ waren (2000/2001)? Und wie weit kamen wir mit ihm?! Wer Namen braucht, hier sind sie: Ältere Recken st. paulianischer Prägung wie Stani und Truller, Spieler mittleren Alters mit dieser Prägung wie Meggi, Spieler der jungen Generation wie Klasnic, Bajramovic, Baris, Rahn, Gerber ergänzt um Typen wie Rath, Patschinski, Lotter, Bürger, Wehlage. Das waren längst nicht alle, und in der Summe stand ein 24-köpfiger Kader zur Verfügung, mit dem, wir wissen es noch, aufgestiegen wurde. Und was kam dann? Und wer waren die handelnden Protagonisten? „Die, die das Haus gebaut hatten, sollten nun auch einziehen“, wurde gesagt. Sie zogen mit ein und noch einige mehr, in der Summe 33 Spieler! Klar, man wurde Weltpokalsiegerbesieger, und es bringt gar nichts, dem durchaus möglichen Klassenerhalt nachzutrauern. Es ist halt so gekommen. Die Mannschaft zerbrach nach dem Abstieg großteils, finanziell ging der Verein in die Knie und einige kochten ihr eigenes Süppchen und holten, was zu holen war. Eine Saison später war man in Liga drei. Die Krise war taghell da, und es gaben sich viele die Klinke in die Hand, bevor man endlich wieder Profil gewann. Stani und Truller und einer starken, identitätsstiftenden Truppe sei Dank. Sicher, diese Nahtoderscheinungen im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich haben uns zusammen geschweißt und nicht zuletzt hat diese Zeit gezeigt, welchen Faustpfand der FC eigentlich mit seinen Fans hat. Nur muss man das immer wieder herausfordern und überstrapazieren? Oder kann man das Vergangene nicht als Anlass nehmen, um im Hier und Jetzt die nötigen Dinge anzugehen und die Sache rund machen? Klar, ob meine, wohlgemerkt spärliche Analyse recht ist, muss jeder Einzelne selbst beurteilen. Ich bin aber guter Dinge, dass diese Sicht geteilt wird. Und noch was: Warum sollte man nicht einen guten Boden bereiten, auf dem richtig gearbeitet werden darf, egal wer ihn bestellt? Man findet ihn vor und sät. Will heißen, der sportliche Bereich unterliegt ebenso Maximen, die sich an den zu formulierenden Grundsätzen zu orientieren haben. Kommt ein neuer sportlicher Leiter, weiß dieser, was zu tun ist und was nicht. Kein wesentlicher Paradigmenwechsel bei Veränderung in sportlicher Leitung, was Sichtung und Käufe von Spielern anbelangt, um es nur kurz zu umschreiben (wer bin ich auch, dass ich dahingehend tiefer blicken kann). Eine Transferpolitik also, die den genannten Grundsätzen angemessen erscheint.

“Der Kapitalismus kann uns mal am Hobel blasen.“

Ein weiterer Punkt betrifft die Ausbildung (nicht nur in sportlicher Hinsicht sondern ebenso in ethischer Mission) und Durchlässigkeit aus dem Jugendbereich in die U-23 und dann in den Profibereich hinein. Mit Thomas Meggle ist einer Persönlichkeit der Weg geebnet worden, die genau das verkörpert. Warum muss man nicht groß erzählen, wenn man seinen Werdegang kennt. Das weckt so viel Vertrauen, und man ist voller Hoffnung, mit ihm den richtigen Partner für die mittel- ja langfristige Zukunft zu haben. Ich bin mir sicher, dass man in der Dynamik von Saison zu Saison eine Truppe beisammen haben wird, welche sich gut ergänzt, was die Altersstruktur betrifft, über kurz oder lang Erfolg hat und die ökonomische Belastbarkeit für den Verein minimiert, ja von Effizienz geprägt sein wird.

Punkte wie die ökologische Verantwortung müssen ebenso auf die Agenda. Denn auch hier sollte geschaut werden, was machbar ist. In Zeiten der Ressourcenverknappung von Öl, Gas, Kohle, etc. einerseits (ferner politisch motiviert, siehe Konflikt EU und Russland) und Verteuerung andererseits sollte man sich mit erneuerbarer Energienutzung noch intensiver als Verein auseinandersetzen. Was kann getan werden, um dem Autarkiegedanken auf die Spur zu kommen? Wie kann man sich unabhängiger machen? Photovoltaikanlagen auf dem Dach der Haupttribüne sind ein eröffneter Weg. Gibt es Ausbaumöglichkeiten? Und wären Kleinwindkraftanlagen auf den Dächern der Tribünen nicht ebenso ein Thema? An Wind mangelt es nicht um das Heiligengeistfeld herum. Und inwieweit kann man den Arbeitsalltag effizienter gestalten, um dem ökologischen Gedanken – im wahrsten Sinne des Wortes - Rechnung zu tragen? Denn schlussendlich rechnet es sich. Was die nachhaltige Entwicklung anbelangt, sollte man generell hin Wege beschreiten, deren wirtschaftliche, soziale und ökologische Ausrichtung unverkennbar Kontinuität und Erfolg versprechen (Stichwort EMAS oder ISO 14001). Das kreative Potential der Fans noch gar nicht genannt, welches einem Kessel mit Zaubertrank gleichkommt, in den der Verein nur hineinfallen muss. Der zu erstellende Katalog an Möglichkeiten und Optionen sollte allen offen stehen und mit breiter Basis muss zur Erarbeitung einer Agenda geschritten werden. Die Mühen könnten sich lohnen. Die Ideenwelt des Präsidiums ist schön und gut, doch muss man ihnen helfen und sie müssen bereit sein, diese Hilfe auch anzunehmen. Damals hat man Leitlinien verabschiedet. Vorausgegangen war ein intensiver Diskurs, an dessen Ausgang sich eben diese wieder fanden. Nun ist es an der Zeit, sich neuen Herausforderungen zu widmen, an dessen Ausgang noch umfangreicher an dem gearbeitet werden soll, was wir sind und was wir wollen. Es ist möglich, wenn nicht gar notwendig, um nicht nur zu bestehen sondern zu leuchten. Das kann man nicht oft genug betonen. Rund um das Millerntor herum liegen diese Themen den Fans und Freunden des FC auf der Seele und finden ihre Wege in deren Münder, ja beschäftigen auch mich. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass der Zeitpunkt gekommen ist, dass sie offenkundig in der Südtribüne durchbrechen tun. Das neue Präsidium wird sein Übrigens dazu beitragen, davon bin ich überzeugt.

Eingangs blickten wir auf den Stadtteil und finden, dass sich markante Wesensmerkmale schon früh entwickelten und bis heute spürbar sind. Sie lasten nicht auf der Seele der St. Paulianer, nein, im Gegenteil, es ist wie der wohltuende Duft einer Blume, der ausströmt und wahrgenommen werden möchte. Der FC St. Pauli, mit allen seinen Fans, Freunden und Sympathisanten, mit all seinem kreativen Reservoir, tut gut daran, sich seiner Tragweite und Verantwortung und seiner Verortung hier im Viertel so habhaft zu werden, dass uns der Kapitalismus mal kann. Am Hobel blasen nämlich! „Würde es gehen, würde ich Dich umarmen“, singt der gute Thees. Man kann, will ich meinen – ob den Nachbarn oder im übertragenden Sinne. Lasst uns Begangenes weiter erkunden und neues Areal erschließen, „Lasst uns auf die Reise gehen, um anderes Land zu suchen“, wie Witthüser und Westrupp einst sangen, denn der Weg ist das Ziel. Im Sinne eines psychedelischen Trips, der verspricht, dass Grenzen und Mauern fallen und alles im Roar verschmilzt. St. Pauli at its best!

Gastartikel vom pelstinho
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