Uwe

Liebe Leserin, lieber Leser, wie viele von euch sind eigentlich in den letzten 15 Jahren über die Feldstraße zum Millerntor angereist? Eigentlich zu wenige.

Liebe Leserin, lieber Leser, wie viele von euch haben eigentlich mal einen ÜS in der Halbzeit auf Block 1 gekauft? Zu wenige?
Ihr werdet es nie nachholen können – es ist vorbei, es wird nicht wieder kommen.

Fehlt es euch schon? Noch nicht, denn erst heute erscheint der erste ÜS seit fast 20 Jahren ohne Uwe, ohne lautstarke Befeuerung des U-Bahnhofs Feldstraße, ohne Durchforstung von B1 oder GG1 nach Menschen ohne Heft.

Uwe ist fort, weg, nicht mehr da, von uns gegangen. Ein Stück Geschichte dieses Heftes, könnte man pathetisch sagen, hat sich verabschiedet. Aber pathetisch drüber reden ist unwürdig. Ich habe meine persönlichen Worte schon gefunden und sprechen dürfen, weil ein Freund, ein mehr als richtig guter Freund uns von einem Tag auf den anderen, einfach so, verlassen hat. Ich durfte meinen Schmerz schon zu Wort bringen, umso schwerer ist es, ein weiteres Kapitel der gemeinsamen Vergangenheit zu öffnen: Thadenstraße 94, ein beliebiger Montagmorgen in den 90ern, der Himmel wird hell, es ist ca. 05.30 oder 06.00 oder so ähnlich. Ein Heft ist fertig, seit neun Stunden wollten wir fertig sein, aber irgendwie fehlte immer was, eine Korrektur, ein Lay-Out, eine Seitenzusammenstellung. Es ist Montag früh, Uwe wollte seit neun Stunden zu Hause sein, und wir erörtern die Frage, wer die Daten zum Drucker bringt. Es klappt natürlich, es ist jemand da, so wie die ganze Nacht jemand da war, damals, seit Benno weg war und wir Halbgaren froh waren, jemanden zu haben, der uns sagen konnte, wie es ging; der es uns auch immer gesagt hat, nicht belehrend-nicht genervt-nicht kopfschüttelnd, sondern immer so, wie es sein sollte in einer von 30 Stunden Lay-Out-Wochenende geschändeten Seele. Der Übersteiger war sein Projekt, seine Seele, sein Ich, da fand er sich wieder, egal wohin es ging, mal mit mehr, mal mit weniger Engagement, aber immer mit dem gleichen Herzen, weil das sein Leben war. Und so hat Uwe auch verkauft, ein Teil von sich, ein Teil seines Lebens, ein Teil echter Uwe. Er hat es nie gesagt, er hat es nie nach vorne gedrängt, er hat sich nie verkauft. Er war einfach da, zu jeder Zeit, und das ist so unendlich viel mehr als viele, wenn nicht alle von uns sagen können..., weil es so einfach war und wir so kompliziert sind. Uwe war Übersteiger, Übersteiger war Uwe, was Ü ohne U ist, wissen wir irgendwann, zur Zeit jedoch noch nicht. Bleib bei uns im Geiste, wir bleiben bei dir.

Danke Uwe!

Und McTheb, in Erinnerung großer Worte einst im ÜS der 90er

Heil uns davon!
Kannst nichts ersinnen für ein krank Gemüt?
Tief wurzelnd Leid aus dem Gedächtnis reuten?
Die Qualen löschen, die ins Hirn geschrieben?
Und mit Vergessens süßem Gegengift
Die Brust entledigen jener giftgen Last,
Die schwer das Herz bedrückt?

(Mc Beth, 5. Aufzug, von Mc Theb für Uwe)

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