Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Von den British Ladies zu den St. Pauli Girls

Meisterinnen, Aufsteigerinnen, Derbysiegerinnen

Kommt doch einfach mal gucken!

Gemeinsam finden wir den Weg aus dunklen Zeiten

Neues von den Alten



Von den British Ladies
zu den St. Pauli Girls

Eine kurze Geschichte des Frauenfußballs

Es war ein beschwerlicher Weg, den viele Fußballspielerinnen gehen mussten, um die Anerkennung zu finden, die ihr Sport heute genießt. Als mit dem „British Ladies' Football Club“ 1894 in London unter entscheidender Mithilfe von Nettie Honeyball weltweit die erste Mannschaft im Frauenfußball gegründet wurde, war dies noch ein allgemeines Aufbegehren gegen die patriarchalen Strukturen der Gesellschaft. Als erste Präsidentin amtierte die Journalistin, Autorin und Feministin Lady Florence Dixie. Für das Training ihrer Damen engagierte Honeyball den Stürmer J. W. Julian von Tottenham Hotspur, der die rund 30, meist jungen Frauen zwei Mal wöchentlich coachte. Am 23. März 1895 kam es zur ersten öffentlichen Partie, als vor 10.000 Zuschauern im Nordlondoner Revier „Crouch End“ „North“ gegen „South“ antraten. Der Norden gewann gegen den Süden 7:1 und Honeyball kickte auf Seiten der Siegerinnen mit.

FootballgirlDas Ende der 1910er-Jahre auf den Weg gebrachte und später weltberühmte Team „Dick, Kerr's Ladies“ aus dem britischen Preston hatte ebenfalls ganz konkrete Ambitionen: Benefizspiele für den guten Zweck. Der englische Verband FA verbot den Damen 1921 trotzdem die Benutzung der Stadien. Ein Verbot, das erst 1970 wieder aufgehoben wurde. Auch in Deutschland wurde die Entwicklung des Frauenfußballs durch Verbote bestimmt: Nachdem bereits 1930 Lotte Specht in Frankfurt am Main die Gründung des ersten deutschen Frauenfußballvereins initiiert hatte, war das selbstbestimmte Kicken für emanzipierte Frauen ab 1933 im nationalsozialistischen Deutschland verpönt – ab 1936 auch offiziell. Erneute Versuche fußballerischer Betätigung durch Frauen gab es in Deutschland erst wieder nach der gewonnenen Männerfußball-WM 1954, als viele sportbegeisterte Damen die Lust verspürten, ebenfalls gegen den Ball zu treten. Doch dies unterband umgehend der DFB, als er 1955 kurzerhand den Frauenfußball in den Vereinen verbot.

Trotzdem ließen sich viele Frauen und Klubs das Recht nicht nehmen. Sogar zu einem ersten inoffiziellen Länderspiel zwischen Deutschland und Holland kam es 1956 – und zu mehr als 150 weiteren Ländervergleichen in den folgenden Jahren. Erst als der DFB die Bildung eines eigenen Verbandes für den Frauenfußball befürchtete, hob er das Verbot im Oktober 1970 auf. Schon 1971 wurde dann in Berlin der erste Verbandsmeister ermittelt, 1974 die erste Deutsche Meisterschaft ausgespielt. Und nachdem 1977 die Hamburgerin Hannelore Ratzeburg beim DFB als Frauenreferentin begann, entwickelte sich die Sache auch organisatorisch rasch fort. 1981 wurde erstmals um den Gewinn des DFB-Pokals gespielt, im November 1982 fand das erste offizielle Länderspiel gegen die Schweiz in Koblenz statt. 1990 wurde die zweigleisige Bundesliga eingerichtet und 1997 zur eingleisigen zusammengeführt. Mit dem EM-Titel 1989 gelang Deutschland international der Durchbruch.

Die Anfänge in Hamburg und beim FC St. Pauli

Mitte der 1920er-Jahre trafen sich in Hamburg bei Lorbeer Rothenburgsort und BU die ersten Damen zum kickenden Stelldichein. 1930 spielten schon fast 200 Frauen im Großraum Hamburg Fußball. Noch vor der Verbotsaufhebung 1970 (s. o.) hatte das neu gegründete Frauenteam des FC St. Pauli bereits seine ersten Partien absolviert: 0:3 ging am 13. September 1970 das allererste Match gegen HT 16 auf dem Sportplatz II an der Feldstraße verloren. Den ersten Sieg konnten die Aktricen mit 5:0 am 26. September beim Bostelbeker SV einfahren.

Am 21. März 1971 begann dann in Hamburg mit zwölf Punktspielen der erste offizielle Ligabetrieb – für den FC mit einem 4:0 gegen Eimsbüttel. Überhaupt waren die St. Paulianerinnen seinerzeit ein überaus erfolgreiches und über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Kick-Kollektiv gewesen. Letzteres hing zuvorderst damit zusammen, dass sich ein Teil des Teams aus der legendären Frauen-Beatband „The Kids“ rekrutierte. Sportlich avancierten die Damen damals hinter Rothenburgsort zu Hamburgs Nummer Zwei. Als sich 1972 erste Schwierigkeiten beim Zusammenstellen einer neuen Truppe auftaten, packte die Vereinsführung die Gelegenheit beim Schopfe, trennte sich stante pede von seinem ungeliebten Wurmfortsatz, meldete die Truppe zunächst vom Spielbetrieb ab und löste sie schließlich im Dezember 1972 auf.

Im Verein nicht wirklich willkommen zu sein, diese Erfahrung machten knapp 20 Jahre später ebenfalls einige bewegungswillige Frauen, die ab 1990 wieder Fußball beim FC St. Pauli spielen wollten. Zwar fanden sie in Vizepräsident Christian Hinzpeter einen Unterstützer, doch im fußballerischen Alltag begegneten die Frauen anfänglich einem Konglomerat aus Ignoranz, Schikane und offener Ablehnung. Heute haben sich die taffen Damen bekanntlich als eigenständige Abteilung (ursprünglich war man der Jugendabteilung zugeordnet!) eine unumstrittene Position im Vereinsgefüge erstritten und erspielt. Mitstreiterinnen der ersten Stunde waren übrigens auch die spätere Aufsichtsratvorsitzende Tatjana Groeteke sowie die spätere Vizeeuropameisterin im Frauenboxen Sonja Dürr.

// Ronny
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