Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Von den British Ladies zu den St. Pauli Girls

Meisterinnen, Aufsteigerinnen, Derbysiegerinnen

Kommt doch einfach mal gucken!

Gemeinsam finden wir den Weg aus dunklen Zeiten

Neues von den Alten



Kommt doch einfach mal gucken!

Ey, die Hunde

ist der offizielle Fanclub
der Frauen- und Mädchen-Fußballabteilung des FC Sankt Pauli von 1910 e.V.

Ey die Hunde

Ich treffe mich mit Steffi und Jürgen von Ey, die Hunde im Schlemmereck auf ein paar Bier und Cola. Sie sind Gründungsmitglieder des Fanclubs, der seit rund zwei Jahren die Frauen- und Mädchenmannschaften des FC St. Pauli supportet. „Die ersten Male wurden wir mitgeschleppt. Jemand aus der aktiven Fanszene meinte, lass' doch mal zu den Frauen gehen. Das machte Spaß und wir kamen wieder“, erzählt Jürgen. „Die Abteilung ist eine große Familie, man kennt sich und hilft untereinander aus. Es ist schön, dazuzugehören“, ergänzt Steffi. Dafür stehen sie auch wirklich bei jedem Spiel der 1. Frauen und unterstützen auch noch die anderen Teams der Abteilung. Sie sind 15 Mitglieder und ein weiterer Kreis von regelmäßigen Zuschauer*innen, zu denen auch Teile von Nord Support gehören.

Logo und so

Ey, die Hunde – was für ein Name. So begrüßt man sich traditionell in der Gruppe. Da war es naheliegend, daraus den Fanclubnamen abzuleiten. Das Lied der Kölner Mülheim Asozial kannte ich als alte Punkverächterin natürlich nicht, es steht aber hundertpro im digitalen oder analogen Plattenschrank meines Lebensabschnittsgefährten. Die Band war auf Anfrage sehr einverstanden damit, für den Namen eines Frauenfußballfanclubs herzuhalten. Die fiese und politisch klar positionierte Bulldogge, die das Markenzeichen des Fanclubs ist und auf dem Merch prangt, macht das Bild komplett und geht auf ein Tattoo im Netz zurück, dass durch einige Details ergänzt und abgewandelt wurde.

Werte

Das Merch ist so schick, dass ich frage, warum der Fanclub es nicht in größerer Stückzahl herstellt. „Das kommt nicht in Frage“, antworten Steffi und Jürgen. Sie haben überhaupt keine Lust darauf, dass am Ende Leute mit ihren Klamotten irgendwelchen Mist bauen. Wer zum Fanclub gehören will, muss die Werte mittragen. Selbstdarsteller sind unerwünscht, der Support für das Team steht immer im Vordergrund. Regelmäßig dabei sein, die Choreos mitgestalten, die Spielerinnen 90 Minuten anfeuern, dafür steht die Bulldogge!

Highlights

Die weitesten Spiele waren bisher ein Vorbereitungsspiel beim FSV Uder e.V. – bei 40 Grad im Privat-PKW – und natürlich die Tour zum Hallenturnier in Ladbergen in der Winterpause. Dorthin fuhren sie im Bus mit dem Team und einem ordentlichen Supportblock, insgesamt ca. 50 Leute, die die Halle amtlich rockten. Glänzende Augen auch beim Rückblick auf das Pokalfinale gegen Bergedorf, wo erstmals über 1000 Zuschauer*innen kamen, die große Mehrheit St. Paulianer*innen. In der neuen Saison werden zumindest die Wege häufiger weit sein. In der Regionalliga geht es unter anderem nach Kiel, Bremen und Osnabrück.

Mehr Support!

Der Liga-Alltag ist nicht immer rosig. „Den Minusrekord an Zuschauer*innen hatten wir beim Spiel gegen Niendorf. Bei bestem Wetter und parallel spielenden Profis waren wir nur zu dritt“, sagt Steffi – wobei sich ausgerechnet hier ein Fanclubmitglied durch eine unqualifizierte Bewegung zum Spielball die Hand brach. Der normale Durchschnitt liegt irgendwo so bei 50 Zuschauer*innen. Da ist noch Luft nach oben. Es ärgert die beiden schon ein wenig, dass nur wenige St. Paulianer*innen den Weg zum Frauenfußball finden. Dabei wird genau hier noch echter Fußball gespielt. „Die hängen sich rein von der ersten bis zur letzten Minute, geben alles. Wenn sie gefoult werden, stehen sie direkt wieder auf und spielen weiter, nicht wie dieses Theater bei den Männern, wo jeder erstmal ewig liegen bleibt“, sagt Jürgen begeistert. Er hat auch vor einiger Zeit einfach Oke Göttlich angesprochen, ob er nicht auch mal bei den Frauen vorbeischauen möchte. Tatsächlich ließ er sich schon das ein oder andere Mal in der Feldarena blicken, ebenso wie Schnecke Kalla.

Von Frauen lernen

Während die Spielerinnen der 1. Frauen allesamt auch die Männer unterstützen und regelmäßig ins Stadion gehen, hat sich außer Kalla noch kein Spieler der 1. Herren beim Frauenfußball blicken lassen. Schade, finden Steffi und Jürgen, denn der Zusammenhalt und Spirit der Frauenabteilung könnte auch motivierende Wirkung auf die Profis entfalten.

Im Netz

Nun, was nicht ist, kann ja noch werden. Der Aufstieg in die Regionalliga birgt ja einiges Potenzial für Bekanntheit und Kultstatus. Gleichzeitig sind natürlich – wie angesprochen – die Wege weiter, sodass für den Fanclub und andere Stammgäste die Belastung steigt. Gut, dass in den sozialen Medien und im interessierten Netz viel Berichterstattung stattfindet: Die Facebook-Seite von Ey, die Hunde hat mehr als 400 Likes und erreicht gut 1000 Interessierte, dazu berichtet Karsten Schulz regelmäßig über alle Frauen- und Mädchenteams auf Torknipser.de. Die Jolly-Facebookseite übernimmt die Nachrichten von Ey, die Hunde. Schöne Fotos für die Postings liefert neben den Hunden selbst und Karsten Schulz auch Stefan Groenveld, der bei vielen Spielen der Frauen dabei ist.

(Kunst-)Rasen

Steffi und Jürgen freuen sich auf die neue Saison und werden mit Ey, die Hunde wieder alles geben. In der Regionalliga zu bestehen, wird für die 1. Frauen nicht einfach werden. Da sind der Zusammenhalt und der bedingungslose Support der Fans umso wichtiger. Einen Nachteil sehen sie im Kunstrasenplatz: „Das Team trainiert nur auf dem Kunstrasenplatz, während die meisten Spiele in der Regionalliga auf Rasen ausgetragen werden“, sagt Jürgen. Vielleicht liest ja jemand, der das beeinflussen kann, die Übersteigerin. Ich sage jedenfalls tschüss bis zum nächsten Heimspiel in der Feldarena!

// kurzpass
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