Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Nichts bleibt, wie es bei Uwe Seeler war

Geld verdienen beim FCSP

Kiezkicker steigen in die Bundesliga auf

Timbos kleine Taktikschule Heute: Nicht denken, sondern machen

Neues von den Alten




„Gewinne werden privatisiert – Verluste sozialisiert.“

Ein einfaches und einprägsames Statement zu Kapitalismus von Karl Marx fasst (immer noch) zusammen, in was für einer Welt wir leben. Sicherlich ist das nicht überall anwendbar, doch in Zeiten der Mäzene und dem offensichtlich nicht funktionierendem Financial Fairplay lohnt sich der kritische Blick auf den aktuellen Wahnsinn. Empört wurde sich bestimmt auch schon 1973, als ein gewisser Johann Cruyff für umgerechnet 1,9 Millionen Euro Ajax Amsterdam in Richtung Barcelona verließ. Geändert haben sich seitdem nur die Namen der Spieler und Nullen hinter den Transfersummen.

Kapitalismus im Fußball beginnt aber nicht erst bei abnormen Ablösen. Vermarktung ist der erste Schritt auf dem Weg zum großen Geld. Und genau das braucht man, will man im Geschäft mitspielen. Der deutsche Markt scheint dafür nicht ausreichend, sodass die Sommer- und Winterpause von vielen Vereinen genutzt wird, um die weltweite Vermarktung voranzutreiben.

Der Übersteiger hinterfragt nicht nur, wo diese Auswüchse noch hinführen können, sondern schaut auch darauf, was der Ach-so-andere-Verein (Bild-Rhetorik) davon alles mitmacht. Denn es ist sicher, dass – zwar auf andere Art und Weise – aber leider auch in unserem Wohnzimmer die Mechanismen des Kapitalismus greifen (müssen), um dauerhaft Profifußball spielen zu können.

Gar nicht lange ist es her, dass in genau diesem Wohnzimmer im Rahmen des G20-Gipfels die weltweit führenden Vertreter des Kapitalismus zusammenkamen, um, wie Ewald es so schön zusammenfasste, ohne Legitimation über Probleme zu diskutieren, für die sie selbst verantwortlich sind. Wir haben mit Sven Brux und Reinher Karl zu den Aktivitäten rund um den G20-Gipfel im Verein und um das Stadion gesprochen. Mehr als interessante Eindrücke, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Verwirrende Zeiten sind das. Da hilft es, sich an ein paar stetige Dinge zu klammern. Liefern wir natürlich gern: unter anderem mit dem dritten Teil der Lampedusa-Trilogie, Timbo’s Taktik-Schule, Döntjes und Neues von den Alten. Fühlt sich hoffentlich ein wenig nach einem warmen Wohnzimmer an, während draußen der Sturm tobt.

Bei allem Schwermut und aller Kapitalismuskritik: Gewinne in einem Verein mit aktiven kritischen Mitgliedern zu privatisieren, wird schwer. Verluste im Sinne von Niederlagen wurden hier sowieso schon immer sozialisiert. Forza Sankt Pauli!

Viel Spaß mit der Nummer 129!

Eure Übersteigers
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