Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Appetite for destruction!

Timbos kleine Taktikschule Heute: Big Data im Fußball

der Kosmos von Viva con Agua

The Football Walk! For Water 2017

Neues von den Alten



Appetite for destruction!

Ni fu ni fa, würde ein Spanier zu der Saison der FC St. Pauli sagen. Nix Halbes und nix Ganzes, also. So wirklich zufrieden sind wir momentan mit den Leistungen der Mannschaft nicht; schließlich sind das doch (fast) dieselben Spieler, die letztes Jahr noch auf dem Rasen gezaubert haben. Wieso läuft es nicht?

Die eklatante Heimschwäche ist ein Grund. Auswärts gehören wir zur Spitze der Liga (An dieser Stelle der Appell an die Fanszene: „Fahr mal wieder auswärts, Digger!“ – es lohnt sich). Erst den dritten Heimsieg des Jahres durften wir gegen die Kieler bewundern. Bedenkt man die ganzen Trauerspiele, welche jahrzehntelang vom FCSP auswärts angeboten wurden, dann müssten wir bei nur drei Dreiern zuhause eigentlich ganz unten rumgurken. Was stimmt hier nicht? Timbo hat es in seiner Taktikschule schon öfter angesprochen; die meisten Mannschaften in der Liga spielen destruktiv. Kein Interesse an Zug zum Tor. Erstmal den Mannschaftsbus am eigenen Fünfer parken und einzelnen Spielern vorne werden von hinten die besten Glückwünsche bei Ballbesitz geschickt. Damit fährt ein Großteil der Liga bisher sehr gut (auch wir). Gegen einen destruktiv spielenden Gegner, ansehnlichen und offensiven Fußball zu spielen, ist genauso gefährlich wie schwierig. Im eigenen Stadion versuchen wir aber nicht aufzutreten wie eine Auswärtsmannschaft. Das hat verheerende Folgen. Die letzte Heimniederlage gegen nicht am Spiel interessierte Darmstädter ist der beste Beweis dafür. Nicht nur, dass es unschön anzusehen ist – es gibt zudem auch noch selten Punkte für uns bei so einem Sonntagsgekicke. Wir sind schlicht nicht in der Lage einen Gegner, auch wenn er auf dem Papier schwächer ist, zu dominieren.

Vor einem Jahr haben wir genau das geschafft. Was fehlt im Vergleich zur letzten Rückrunde? Der kleine Mats und Christopher Buchtmann werden schmerzlich vermisst. Die Stabilität und der Zug nach vorne fehlen insbesondere durch den Ausfall von Buchtmann. Und erst recht fehlt ein Spieler, der den tödlichen Pass (ich bediene mal das Phrasenschwein) spielen kann. Das kann Buchtmann zwar auch, aber niemand aus der aktuellen Mannschaft kann so viel Unruhe und Panik in der gegnerischen Hintermannschaft durch starke Technik und ein Auge für den Mitspieler zur richtigen Zeit sorgen, wie der kleine Norweger. Die Verletzungen beider Spieler im Dezember waren ein brutaler Nackenschlag für den FCSP. In gewisser Weise waren die beiden aber auch vor ihrem Pech schon Opfer der Umstellung auf ein System mit zwei Stürmern. Statt aus einem starken Fünfer-Mittelfeld mit schnellen Außenspielern, agieren wir nun schon fast die gesamte Saison mit zwei Spitzen und vier Spielern dahinter. Schaffen es die Stürmer in diesem System nicht den Ball mit dem Rücken zum Tor anzunehmen, zu halten und zu verteilen, dann sieht man mit einem Vierer-Mittelfeld auf einmal ganz schön alt aus gegen das Umschaltspiel des Gegners.

Im Sturm liegt sicherlich das aktuell größte Problem. “Ball- und Tor- Allagui“ wurde von mir schon im Stadion vernommen. Ein schlicht glückloser Stürmer wird schnell zum Sündenbock gemacht. Sicherlich nicht ganz unschuldig, schließlich mangelt es augenscheinlich an der nötigen Kraft oder dem Willen die Wege im Gegenpressing zu gehen. Auch wenn Ewald mich köpfen würde, würde er denn diese Zeilen lesen; ein Stürmer, der jedes Spiel ein Ding einnetzt, darf meinetwegen durchgehend mit hängenden Schultern am Fünfer rumlungern. Läuft es aber nicht, dann ist mangelnder Einsatz das Letzte, was man sehen will. Oft hat man auch das Gefühl, dass beide Stürmer sich gegenseitig die Laufwege wegnehmen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit nach gemeinsamer Sommer- und Wintervorbereitung.

Tjoa. „Schiete secht Fiete, de Mors bekiekte“. Bringt uns schließlich auch nicht weiter, jetzt die eigenen Spieler anzupöbeln. Hat sowieso auch noch nie zu einer Leistungssteigerung geführt, wenn man sich ständig anhören muss wie scheiße man spielt. Müssen einige im Stadion noch lernen. Dafür, dass es gefühlt überhaupt nicht so läuft wie erhofft, stehen wir gar nicht so schlecht in der Liga.

Mut machen die letzten Ergebnisse. Zwar wird nicht gerade die Schönheit des Fußballspiels gehuldigt mit unseren Leistungen, doch bei den aktuellen Ergebnissen kann meinetwegen so weiter gespielt werden. Schon komisch, dass trotz wirklich wenig aufbauenden Leistungen noch Tuchfühlung zur Relegation gegen den Dino besteht. Wie kann das sein?

Schauen wir uns mal die Lage der Liga an:

Klassenprimus und Streberkind ist eindeutig der 1. FC Nürnberg. Vor der Saison wurde noch tief gestapelt, wie ein Musterschüler vor Rückgabe der Klausur („wird bestimmt nur ne 4!“), doch nun kommt man schwer aus der Nummer wieder raus. Alles andere als ein Aufstieg wäre eine Enttäuschung. Ähnliches gilt für Fortuna Düsseldorf. Die beiden Mannschaften haben sich immerhin auch schon ein kleines Polster auf den Relegationsplatz aufgebaut. Der Grund dafür ist einfach: Gegen solch eine geballte Spielstärke, wie sie in Nürnberg und Düsseldorf vorhanden ist, kommt man auch mit „Hoch und weit, bringt Sicherheit“ nicht voran. Nebenbei macht die Fortuna ihrem Namen alle Ehre und hat sich da oben auch ein wenig hingewurschtelt. Im Spiel gegen diese Teams gilt: Hat es erst einmal hinten geklingelt und man muss das Spiel selbst machen, dann kommt meist die Walze.

In der Ecke um den Relegationsplatz lungern aktuell 10 Mannschaften rum. Manche werden behaupten, dass das ein Nachweis für die Ausgeglichenheit der Liga ist – ich stelle die polemische These auf, dass die Liga momentan einfach kacke ist. Dass eine Mannschaft, die 11 Spiele in Folge nicht gewonnen hat (Kiel) zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Textes noch auf dem dritten Platz steht, ist ein Armutszeugnis für die anderen Teams in der Liga. Dazu gehört aktuell auch der FC St. Pauli. Es bleibt abzuwarten, welches der Teams noch eine nicht geahnte Form finden und „zufällig“ im Mai um den Aufstieg spielen.

Im Gegensatz zu den Musterschülern und den langweiligen Teams um den Relegationsplatz mit einer 4+, bekommen einige Teams die zu Recht erwartete 5 zurück. In Kaiserslautern und Fürth wird seit Jahren Schabernack mit dem Kader getrieben. Einzig Darmstadt passt dort nicht recht hin. Nach einem Anfall von Mutter-Theresa-Haftigkeit und dem daraus folgenden Dreier am Millerntor, läuft es in Hessen wieder furchtbar. In akuter Abstiegsgefahr befindet sich auch der heutige Gegner.

Braunschweig. Da wären wir. Nach einer Einleitung mit über 6000 Zeichen. Der BTSV ist sowohl Heim als auch Auswärts ein seit Jahren beliebter Gegner. Insbesondere die beiden Dreier in akuter Abstiegsnot bei den „Löwen“ blieben mir dabei in Erinnerung. Thorsten Lieberknecht blieb mit seiner Truppe die ersten sieben Spiele der Saison ungeschlagen. Dabei langweilte es viermal in Folge ein 1-1. Bevor es eine Auswärtsniederlage in Regensburg gab und der Abwärtstrend mit einem 0-2 zuhause (ach, schau an!) gegen den FCSP fortgesetzt wurde. So langsam wird es richtig eng da unten. Da mischen wir uns lieber nicht ein und holen drei Punkte. Forza!

//flippa
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