Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Wie kam es zur Absage unserer Jubiläumsparty?

Nostalgie, Du charmantes Ding!

25 Jahre, 132 Hefte, 58 Siege

Das Zeugwartdenkmal

Neues von den Alten



Wie kam es zur Absage unserer Jubiläumsparty?

Chronologie und Entscheidung

Am 1. September sollte unsere Jubiläumsparty im Knust steigen. Mit vielen Ehemaligen, Programm, Bands und DJs. Alles war im Grunde nach vielen Wochen Arbeit fertig vorbereitet. Die Bands zusammengestellt, Plakate und Eintrittskarten gedruckt, die Bilder und Filmchen für den Beamer, die Einladungen und Zusagen der ehemaligen ÜSler, aber auch einiger Spieler, und die ganzen kleinen Vorbereitungen wie Catering, Programmauswahl etc, die damit einhergehen. Als an 30. Juli die Eintrittskarten in den Vorverkauf kamen, kündigte die Band 'Loipos' - deren Bandmitglied Jörn Teil unserer Redaktion ist - ihren Auftritt auf der Party auf Facebook an.

Daraufhin erhielt das Knust eine Mail von 'oireszene – Recherche Ostsachsen': „Hallo. Wir haben gesehen das am 1. September bei euch die Band "The Loipos" spielen soll? Diese haben in der Vergangenheit auf Nazikonzerten in Polen gespielt. Sie traten dort unteranderem mit der Naziband "The Junkers" auf. Ihr könnt selber mal auf die seite schauen dann werdet ihr schon fündig. Die junkers machen auch öffentlich Werbung für Nazikonzerte in Polen, das ist bekannt und das wissen auch The Loipos, trotzdem sind die mit denen befreundet! So eine Band hat nix im Knust verloren. Gruß. M.“

Wir antworteten direkt an 'M.', mit der Bitte sich direkt an uns als Veranstalter zu wenden und gern an einem runden Tisch teilzunehmen, wo die – größtenteils völlig aus der Luft gegriffenen Vorwürfe (wie 'Nazikonzerte' oder 'befreundete Band') geklärt werden könnten. Es kam bis heute keine Reaktion von M.

Loipos hatten mittlerweile ein Statement herausgebracht, in dem sie erklärten, wie es zu dem Konzert in Polen kam und uns und dem Knust geschickt: „Wir hatten uns vor dem Konzert in Polen erkundigt über die Bands. Die polnischen SHARP-Skins Polen waren sich einig, dass die Junkers zwar provokant, aber keine Nazis sind. Wir haben uns ebenfalls so gut es ging mit ihren Texten auseinandergesetzt und ebenfalls nichts Richtung nationalsozialistisches gefunden. Also haben wir zugesagt. (...) Es gab zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Hinweise, die darauf hinweisen könnten, auch nur im entferntesten mit Nazis zu tun zu haben. Wir haben immer klare Statements auf der Bühne gesetzt (u.a. mit 'Good Night White Pride-Banner) und sind der Meinung uns nix vorwerfen zu müssen. Unser Inhalt ist klar und deutlich. Ja, wir waren wohl zu blauäugig und haben nicht tief genug recherchiert, aber es gibt genug sehr linke Bands (siehe Zusammenrottung Festival in Dresden) die auch nach dem Konzert in Polen mit uns spielen und kein Problem haben, weil sie uns einfach persönlich kontaktiert haben. (...)"

Dieses Statement wurde auch an M. weitergeleitet. Antwort (wieder an das Knust):

„Die Loipos wussten ganz genau mit wem sie da auf der Bühne stehen bzw. wo sie da hin kommen. Ein blick auf die seite von the junkers reicht aus und man sieht sofort das es Nazis sind. Dort werden links geteilt von "anti-antifa seiten" ect. Loipos werden sich einfach gedacht haben, wir spielen dort, wird schon niemand merken. Was sich bei Loipos für leute im Publikum rumtreiben ist auch sehr fragwürdig wenn nan so die konzertfotos anschaut. The Loipos ist Politk egal, da kann man auch schon mal vor paar faschos spielen, solange es keinen stört. Aber jetzt wird es langsam mal zeit die scheiße öffentlich zu machen. Wir haben keinen bock mehr das irgendwelche unpolitischen "oi" bands ständig auf 2 Partys tanzen dürfen. In Polen standen sie mit ganz klaren Nazis auf der Bühne (und das haben die gewusst) und in Deutschland wollen sie in unsere Linken Clubs? Nein! The Loipos gehört ABGESAGT! Viele Grüße. M.„

Es ist natürlich immer einfach, wieder und wieder irgendwelche Behauptungen in die Welt zu setzen. – z. .B. dass Loipos wussten, dass es sich bei den Junkers um Nazis handelt. Die Wiederholungen machen das zwar nicht wahrer, aber bei solchen Vorwürfen bleibt immer etwas an der Band haften. Dass sich M. weigert, sich direkt mit Loipos oder zumindest uns auseinanderzusetzen, ist eigentlich ein Zeichen, dass es ihm/ihr hier nicht um Aufklärung geht.

Am 3. August beschloss der Fanladen, den Vorverkauf abzubrechen, bis die Sache geklärt sei.

Und die Emils sagten ab: „(...) Loipos legen überhaupt keine Selbstreflexion an den Tag - man könnte irgendetwas falsch gemacht haben, in dem man mit einer Nazi- oder zumindest umstrittenen Band zusammengespielt hat. (…) Wenn ich ihr Statement lese, dann kommt es zumindest für mich so rüber, dass man sich prächtig amüsiert hat mit den “Partnern vor Ort“. Man könnte aber auch daraus lesen: ‘die polnischen Kameraden waren echt in Ordnung‘. Es ist immer die gleiche Leier: “Wir sind keine Nazis und das spiegelt sich in unseren Shows & Texten auch wieder“ oder “Ja, in Polen ist‘s ja dumm gelaufen...“ etc. Das alles ist nur blödes Geplapper à la Onkels & Freiwild!
Entscheidet euch!!! Keinen Sex mit Nazis!!! Ille“

Unterdessen: Dirk vom Knust spricht mit den St. Pauli Skinheads, die kein Problem mit den Loipos haben. Die Band Sexto Sol, die ebenfalls bei unserer Party auftreten soll, lehnt eine Vorverurteilung ab und wünscht sich ein Gespräch mit allen Beteiligten.

Es folgt eine weitere Stellungnahme von Jörn/Loipos: „(...) Jedes Mitglied in unserer Band ist 100% gegen Nazis und Homophobie. Alle sind St. Paulifans. Ich selbst stehe regelmäßig bei Pröpper Vendetta und den Scarecrows (...). Wir als Loipos distanzieren uns klar gegen Faschismus und Rassismus ... jeder der uns gesehen hat, weiß das auch. Das ist auch ein Grund, warum die Chemiefabrik in Dresden ausdrücklich das Konzert nicht abgesagt hat mit uns. Auch die Bands, die dort spielen, haben sich persönlich bei uns gemeldet und damit alle Probleme aus dem Weg geräumt.
Fehler macht man um zu lernen. Wir jedenfalls durchleuchten jetzt nach Möglichkeit alles. Aber es ist durchaus aufwendig sich mit der Bandgeschichte jeder Band auseinanderzusetzen - und dann auch noch die Bandgeschichten der Bandgeschichten zu lesen. Schon darum positionieren wir uns auch klar in Texten und Ansagen.“

Ille von den Emils spricht mit Jörn von den Loipos, auch suchen des Polnischen Kundige die Seiten der Junkers ab. Ja, dort findet sich ein 'Anti-Antifa-Song' (einer anderen Band), allerdings gepostet nach dem Konzert in Polen. Auch findet sich auf den ersten Blick kein eindeutiger Nazidreck, wie von M. behauptet. Nach längerer Recherche scheint dennoch klar, dass es sich hier um eine rechtsoffene und nationalistische Band handelt. Das macht die Aussage der Loipos, dass sie leider nichts dergleichen im Vorfeld des Konzerts herausgefunden hatten, dennoch nicht unglaubwürdig.

7. August: Der Fanladen bleibt dabei, keinen Vorverkauf für unsere Tickets zu machen:
„Wir haben keine Lust für so ein Konzert Karten zu verkaufen, wenn wir Kritikern dieses Konzertes/dieser Party (die sich hier im Laden melden) noch nicht einmal was dazu sagen können. Wir haben auch keine Lust mit so etwas in Verbindung gebracht zu werden. Wir werden also weiterhin keine Tickets für die Veranstaltung verkaufen!

Und wieder die Emils, 9.August: „(...) Es handelt sich bei The Junkers um eine Rechtskonservative und Antikommunistische Band! Auch Olli, unser Gitarrist, hat recherchiert und ist dabei auf Interviews in einem Oi-Magazin gestoßen, auf die Frage nach der politischen Ausrichtung kam dann nur das übliche. Dann wurde sogar noch ergänzt das manche sie für Faschos halten, es die Band aber nicht kümmert, "sie wollen nur Spaß haben, Konzerte spielen und viel Vodka trinken". Also es wird nicht mal der Versuch (von den Junkers) unternommen, sich von rechtem Gedankengut zu distanzieren... Nach Rücksprache mit dem Rest der -emils- bleiben wir bei unserem Statement vom 02.08.2018."

So war also der Stand der Dinge am 9. August, dem Tag unserer Redaktionssitzung. Die Scheiße war in den Ventilator geflogen. Der anonym platzierte Vorwurf an die Band Loipos, sie hätten mal mit einer dem rechten Spektrum angehörigen polnischen Band ein Konzert gegeben, zog immer weitere Kreise und drohte Unbeteiligte in einen schlimmen Konflikt zu ziehen. Als Redaktionsmitglieder (alle mit dem Herzen dabei, aber ehrenamtlich) hatten wir Verantwortung zu tragen, nicht nur für uns, sondern für alle Beteiligten.
So war es nur logisch, die Veranstaltung abzusagen.

Nur die Loipos auszuladen war keine Alternative: Wir kennen eines der Mitglieder und wissen, dass er völlig unverdächtig ist – sonst wäre er kein Redaktionsmitglied.
Es ist wirklich schwierig, bei diesen Vorwürfen noch den Überblick zu behalten. Muss man einer eigentlich dem antifaschistischen Spektrum zugehörigen Band wie den Loipos so gnadenlos nachstellen? Kann man das nicht mal direkt ansprechen und diskutieren und dann den Konflikt positiv abschließen?

Nee, das kann die „Szene“ offensichtlich nicht. Der anonyme Denunziant hat es nicht mal für nötig gehalten, die Redaktion oder die Band persönlich anzusprechen. Das wäre auch ohne öffentliche Nennung des Namens möglich gewesen. Und was bleibt? Frust über die wochenlang geleistete Vorarbeit und allgemeine Ratlosigkeit. Was für Zeiten!

//Eure Übersteigers
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