Aus dieser Ausgabe:

Vorwort

Nostalgie, Du charmantes Ding!

25 Jahre, 132 Hefte, 58 Siege

Das Zeugwartdenkmal

Neues von den Alten



Das Zeugwartdenkmal

Sechs Präsidenten sahst du kommen und fünf wieder gehen 23 Trainer mit mehr oder weniger Fortune ihre Zeit beim FC St. Pauli überstehen Auf- und Abstiege kannst du in 35 Jahren kaum noch zählen Dann bist du Claus-Peter Bubke, genannt Bubu, dienstältester Mitarbeiter beim FC St. Pauli, lange Jahre Herrscher des Kellers, Kodderschnauze und müsstest mal dringend unter Denkmalschutz gestellt werden. Weil es in dieser Fußballwelt so etwas wie dich eigentlich nicht mehr gibt.

„Bubu, sollen wie noch was machen“ – ein Kopf guckt fragend um die Ecke ins Büro der Feldarena. „Sieh zu, dass du hier raus kommst.“ Der Ton an der Feldstraße ist wie schon immer in den vergangenen 35 Jahren beim FC St. Pauli etwas rauh, aber wer Claus kennt, weiss wie es gemeint ist. Er Bubu erledigt den Rest – allerdings nicht bevor nicht noch das Tor weggeräumt ist. Ordnung muss sein. „Die müssen hier das machen, was ich sage – wie früher in der Kabine.“ Das ist sozusagen braun-weißes Kellergesetz.

Dort in den Katakomben des Millerntorstadions war Claus Jahrzehnte der Zeugwart, rauchend, gern eine Knolle Bier in der Hand, saß er unten an der Treppe und regelte die Geschäfte in den Katakomben des alten Stadions. Für viele neue Trainer, neue Spieler, auswärtige Spieler und Trainer war er allerdings auch ein Kulturschock. Sie alle mussten erstmal gehorchen. „Da gab es ja bei uns und anderen schon manchmal so Schnösel. Die hab ich dann einfach wieder weg geschickt“, erzählt Bubke gut gelaunt, aufgeräumt und bester Dinge auf der Terrasse der Feldarena.

Tja all die, die einen zweiten Anlauf nehmen mussten in den Keller vom FC St. Pauli, manch einer auch noch einen dritten.

Wenzel, Sievers, Demuth, Zander und viele andere gehörten nicht dazu. „Das waren noch Typen. Das war früher doch alles besser. Das waren doch gute Typen mit denen man klar kommen konnte.“ Ganz abgesehen von Stanislawski. „Na der macht jetzt seinen Supermarkt. Aber der war doch der beste!“

Aber Kalla, findet Bubke, ist auch ein guter Typ und die Mannschaft gefällt ihm auch besser, als in der Vergangenheit. Er selber ist sehr zufrieden mit seinem Job in der Feldarena. „Da hab ich ja mal gar nichts zu meckern, so kann das immer weiter gehen“.

So ganz privat hat Bubke nicht mehr so viel mit Spielern und Co. zu tun. Jeden morgen geht er nach dem Tod seiner Frau Karin in der kleinen Pause frühstücken. Dort seviert Kirsche, die Schwester von der ehemaligen Clubheim-Wirtin Brigitte Pommes und Co. Mit Kirsche und ihrem Mann geht Claus auch gelegentlich aus. „Dann gehen wir mal um die Ecke in die Kneipe. Dann trinke ich mal einen Wiskey-Cola. Immer nur Kaffee und Cola. Mal muss man ja auch was mit Geschmack haben.“

Und die neun Kinder? „Haben alle Arbeit“, erzählt Bubke, sind fast alle weg aus Hamburg in Österreich und so und interessieren sich überhaupt nicht für Fußball und St. Pauli. „Muss wohl irgendwas falsch gelaufen sein. Aber ich arbeite ja 365 Tage im Jahr fast. Und die letzten drei Tage im Monat nehm ich dann manchmal frei und fahr zu Besuch zu meinen Kindern oder meinem Schwager.“

Und als wir - Ariane, Massimo und Tatjana - gehen, sitzt bei Claus im Büro Tochter Jennifer, die schon damals mit ihrer Mutter Karin im Clubheim gearbeitet hat und geblieben ist auf St. Pauli. Wir gehen dann mal, bevor einer kommt und sagt: Sieht zu, dass ihr hier raus kommt.

// tati
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